Archiv für den Monat: März 2015

Kölner Bartmannskrug um 1560

Ein Highlight aus dem neuen Katalog:
Kölner Bartmannskrug um 1560

Bartmaske am Hals. Auf der Wandungsmitte Fries mit Rankenwerk und Grotesken.
Oben und unten Rundmedaillons mit Profilköpfen zwischen Palmetten.
Hellbraunes salzglasiertes Steinzeug.

Kölner Bartmannskrug um 1560, der mit Reliefauflagen verziert ist, H. 19 cm

Kölner Bartmannskrug um 1560, der mit Reliefauflagen verziert ist, H. 19 cm

Literatur:

Steinzeug. Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln
Autor:
Gisela Reineking von Bock
Köln 1986

Gisela Reineking von Bock: Steinzeug. Kunstgewerbemuseum der Stadt Köln. Köln 1986.

Vergleichbare Stücke:

Museum für angewandte Kunst Köln

Rheinisches Steinzeug

Steinzeug ist eine Keramik, die im späten Mittelalter entwickelt wurde und die härter, stoßunempfindlicher und daher begehrter war als andere Keramiken, die man kannte. Es konnte nur an wenigen Orten hergestellt werden, wo es den dafür notwenigen Ton gab: im Rheinland in der Nähe von Köln-Frechen, Siegburg und Raeren bei Aachen. Dies Orte entwickelten sich zu produktionsreichen Zentren. Die Blütezeit des Steinzeugs fällt dort in das 16. Jahrhundert. Es wurde von allen Ständen, selbst an Fürstenhöfen hoch geschätzt und in viele Länder bis nach Japan und Korea gehandelt. Mit den ersten Schiffen des Columbus gelangte es nach Amerika.

Schon im Mittelalter wurden Gefäße aus dem Rheinland (Brühler und Siegburger Ware) bis nach Skandinavien, Russland, Holland und England exportiert.

 

 

Merken

Merken

Flörsheimer-Enghalskrug-18.-JH

Flörsheimer Enghalskrug

Flörsheimer Enghalskrug um 1780, auf dem Boden die mangane Manufakturmarke „FFF“

German-Faience-Flörsheim Fayence Faience Krug um 1780 Fayence Steinzeug Vogt Rathaus München

Flörsheimer Enghalskrug um 1780, auf dem Boden die Manufakturmarke „FFF“, H. 31 cm

Großes lebhaft gemaltes Bouquet, weiße Glasur, polychromer Scharffeuerdekor mit schwärzlichen Konturen.

Mitte des 18. Jahrhunderts wurde im Auftrag des Mainzer Kurfürsten die
Flörsheimer-Fayence-Fabrik (Manufaktur) gegründet.
Die drei „F“ im Flörsheimer Wappen weisen auf diese Manufaktur hin.

Literatur:

Karl Schafft, Flörsheimer Fayencen, Darmstadt 1977
Flörsheimer Fayencen
Autor: Karl Schafft
Darmstadt 1977, S. 81.
Dort auch weitere Vergleichsstücke zum Dekor,
u.a. der Krug im Reiss-Museum Mannheim (Abb. 135).

Flörsheimer Fayencen
Flörsheim am Main.
Autor: Rudolf Schäfer
Ein Zeugnis kultureller und wirtschaftlicher Leistungskraft.
Hrsg. vom Magistrat der Stadt Flörsheim am Main

Heimatmuseum Flörsheim

Das Museum zeigt Exponate zur Geschichte Flörsheims. Daneben gibt es eine eigene Fayence-Abteilung, in der Flörsheimer Fayencen des 18. und frühen 19. Jahrhunderts gezeigt werden. Hintergrund ist die Flörsheimer Fayence-Fabrik, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts im Auftrag des Mainzer Kurfürsten gegründet wurde, dem Flörsheim zu dieser Zeit unterstand. Die Flörsheimer Fayence-Fabrik besaß fast im gesamten Mainzer Erzstift das Monopol auf Fayencen

Merken

Süddeutsche Hausmalervase um 1700

Süddeutsche Hausmaler Vase

Seltene Süddeutsche Hausmaler Vase „Doppelkürbis“ um 1770

Süddeutsche Hausmalervase um 1700

Süddeutsche Hausmalervase um 1700, die mit leuchtenden Muffelfarben bemalt ist, H. 28 cm

Vergleichbare Stücke im Museum:

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


Neue Porzellanabteilung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, März 2006
Foto: Angela Franke

Die Fayence- und Porzellansammlung ist in drei großen Raumeinheiten ausgestellt, die durch moderne, gläserne Vitrinen in Kabinette gegliedert sind.
In der gegenüber liegenden Vitrine wird die große Produktpalette von Fayence deutlich, die von Humpen und Weinschenkkrügen bis hin zu Schreibzeugen und Duftvasen reichte. Als Beispiele für außerordentlich beliebte und modische Themen der Fayence- und Porzellanmalerei ist außerdem eine Vitrine den Darstellungen von Chinesen und der Chinoiserie gewidmet, eine zweite den beliebten Blumendekoren.

Neue Porzellanabteilung im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, März 2006
Foto: Angela Franke

Fayencesammlung

Die Hamburger Fayencesammlung ist eine der bedeutendsten und umfangreichsten im deutschsprachigen Raum. Die ca. 500 ausgestellten Objekte aus über 60 Manufakturen trug zumeist bereits der Museumsgründer Justus Brinckmann zusammen. Der Besucher kann die Entwicklung der Keramikgattung Fayence von etwa 1630 bis 1790 nachvollziehen, gewinnt einen Eindruck von der einstigen Popularität und Verbreitung, die Formen- und Dekorvielfalt sowie das Können der Fayenciers in Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Schweden und Dänemark, aber auch in Italien.

Die Ausstellung zeigt die Fayencen aus den einzelnen Manufakturen jeweils im Zusammenhang. Ihre Abfolge bestimmt in etwa das Gründungsdatum des Unternehmens.

Am Anfang der Ausstellung stehen Fayencen aus Antwerpen, Lissabon und Delft, die in der Mitte des 17. Jahrhunderts mit dem Ziel gefertigt wurden, die viel bewunderten, nach Europa importierten chinesischen Porzellane nachzuahmen – in Europa konnte man Porzellan erst nach 1710 herstellen. Fayencen blieben lange Zeit die einzige Alternative zu den teuren ostasiatischen Geschirren, wenn man nicht Geschirre aus anderen Materialen, aus Holz, Zinn, Silber benutzte. Besonderer Wert wurde auf eine gleichmäßige weiße Glasur gelegt, auf die dann die fernöstlichen Dekore gemalt wurden, bevorzugt in Blau.

Durch auswandernde Delfter Handwerker verbreitete sich die Fayencetechnik auch in Deutschland – zuerst nach Hanau, Frankfurt am Main und Berlin. Lange ließen sich die dortigen Kunsthandwerker lvon den niederländischen Gefäßformen und Dekoren inspirieren. Die im ersten Raum ausgestellten Objekte demonstrieren aber auch, dass sich schnell regionale Eigenheiten entwickelten. Die Qualität wurde verbessert, neue Maltechniken erprobt und ein großes Repertoire an europäischen Themen aus dem Bereich der Bibel, der antiken Mythologie, aus der Geschichte sowie der Flora und der Ornamentik eingeführt.
In dieser Hinsicht war besonders das Schaffen der ab 1670 in häuslichen Familienbetrieben tätigen sogen. Hausmaler aufschlussreich, die glasierte unbemalte Fayencen aus verschiedenen Manufakturen bezogen und bemalten. Nürnberg und Augsburg waren dafür in Deutschland die wichtigsten Orte: Mit prächtigen Beispielen der Hausmalerei sind in zweiten Raum auch Nürnberger Fayencen zu bewundern, interessant vor allem Auftragsarbeiten reicher Patrizier der Reichsstadt. In einer weiteren Vitrine kann der Besucher einen Eindruck von der Vielfalt mitteldeutscher Fayencen aus Thüringen, Braunschweig, Hannoversch Münden, Magdeburg und Zerbst gewinnen.

An der Längsseite dieses Kabinetts folgen zwei Vitrinen, die der Produktion aus Bayreuth, Fulda, Ansbach und anderen süddeutschen Manufakturen gewidmet sind und die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gegründet wurden. Damals versuchten viele Landesherren, selbst Hartporzellan nach dem berühmten Meissener Vorbild herzustellen. Da die Rezepturen für Masse, Glasur und Farben jedoch streng geheim gehalten wurden, dauerten die Versuche oft mehrere Jahre und führten nicht immer zum gewünschten Erfolg. Versuchsstücke aus Fulda besitzt auch das Hamburger Museum. In dieser Zeit entstanden dennoch herrliche Fayencen, die z.B. von den berühmten Malern Adam von Löwenfinck und Joseph Philipp Dannhöfer.

Quelle:
Art Perfect
http://www.art-perfect.de/mkg_porzellan_und_fayence.htm

 

 

Vonderau Museum Fulda

Adam Friedrich von Löwenfinck
Deckelvase, Fuldaer Fayence, vor 1745
Hetjens-Museum, Düsseldorf

13. März bis 31. Mai 2015

Eröffnung: Freitag, 13. März 2015 um 19.00 Uhr

Seit der Schließung der Fuldaer Fayence-Manufaktur sind gerade einmal 250 Jahre vergangen. In den Wirren des Siebenjährigen Krieges und der damit verbundenen wirtschaftlichen Katastrophe ging eine der bedeutendsten, wenn auch eine der kleinsten deutschen Fayence-Manufakturen zugrunde.
Zur Erforschung ihrer Geschichte gibt es bisher unzählige Beiträge, die im Rahmen größerer Zusammenhänge Teilaspekte kursorisch, selten auch ausführlicher behandeln, doch monographisch wurde das Thema, von zwei bis drei ernsthaften Versuchen abgesehen, nicht verwirklicht.

Einen neuen Forschungsansatz soll die vom Vonderau Museum Fulda für das Jahr 2015 vorbereitete Ausstellung zur Fuldaer Fayence-Manufaktur bieten.

Ausgehend von einer kritischen Durchsicht des durch Signaturen oder Marken gesicherten und der Manufaktur sonst zugewiesenen Materials, das in den letzten JaAdam Friedrich von Löwenfinck Hirschreiterin-Service, Teller Fuldaer Fayence, vor 1745 Bayerisches Nationalmuseum Münchenhren durch archäologische Funde in einigen Bereichen gestützt wird, über erneute Erforschung der schriftlichen Überlieferung und aufgrund des inzwischen weit schneller als für Fulda fortgeschrittenen Stands der Erforschung zahlreicher zeitgenössischer Manufakturen wird als Ergebnis der Ausstellung eine neue Monographie zur Fabrikgeschichte und ein detaillierter Katalog der Produkte erarbeitet.

Die Ausstellung ist damit ein Versuch, eine wichtige Forschungslücke zu schließen, zumal die Fuldaer Manufaktur in Bezug auf die Technologie der Fayencebemalung, insbesondere in ihren Anfängen unter den damaligen deutschen Manufakturen an der Spitze der Entwicklung stand. So wird die Sonderschau geeignet sein, dem interessierten Besucher gleichzeitig die einstige Bedeutung der Fuldaer Fayencen, die vor allem vor Ort fast in Vergessenheit geraten sind, zu vermitteln.

Adam Friedrich von Löwenfinck Tafelaufsatz für Johann Philipp Karl Anton von Fechenbach (1708- 1779) Fuldaer Fayence, vor 1745 Vonderau Museum Fulda, Slg. Prof. Dr. Hellmut Nieth

Adam Friedrich von Löwenfinck

Der Gründung der Manufaktur in Fulda gingen seit Herbst 1740 Versuche des unter anderem in Delft ausgebildeten und hier Porcilainmacher genannten Christian Ruprecht voraus. Die wohl unbefriedigenden Ergebnisse gaben dem Fuldaer Fürstabt Amand von Buseck (1737-1756, seit 1752 Fürstbischof) Anlass, sich nach neuen Lösungen umzusehen. Kurz nach Entlassung Ruprechts traf daher am 18. Februar 1741 der wenige Jahre zuvor aus Meißen entflohene, berühmte Schmelzmaler Adam Friedrich von Löwenfinck ein. Mit Löwenfinck gelangte die bald vom Fürstabt gegründete Fabrik zu hoher künstlerischer Blüte und bot vielen damals bedeutenden Künstlern Aufnahme oder auch einmalige Entwicklungsmöglichkeiten.

Auch wenn von Löwenfinck Ende 1744 Fulda für immer verlassen hatte und ihm spätestens 1746 eine Reihe wichtiger Meister nach Höchst gefolgt waren, so blieben in der Fuldaer Manufaktur doch noch genug fähige Mitarbeiter, z.B. der Modelleur Wenzel Neu, der wahrscheinlich die Leitung übernommen hatte, die ihr Fortbestehen ermöglichten.

Georg Friedrich Hess

Ignaz Hess Doppelkürbisvase mit deutschen Blumen Fuldaer Fayence, nach 1751 Mainfränkisches Museum WürzburgEinen neuen Aufschwung erlebte die Manufaktur, als Anfang 1751 Georg Friedrich Hess mit seinem Sohn Ignaz aus Höchst zurückgekehrt war und alsbald praktisch die technische Leitung übernahm. Die Tatsache, dass der berühmte Fayencemaler Joseph Philipp Dannhöfer in den Jahren 1751, 1752 und 1757/58 in Fulda tätig war, ist auch ein Beleg für die damalige Bedeutung des Unternehmens, das unter fürstlicher Regie geführt, zwar kaum mit finanziellen Problemen konfrontiert wurde, aber auch nicht wirtschaftlich arbeiten konnte.

Die Situation der Fabrik änderte sich 1756 mit dem Tod des Gründers, Fürstbischof Amand von Buseck, und mit dem bald folgenden Ausbruch des Siebenjährigen Krieges schlagartig. Zwar versuchte der damalige Verwalter Georg Friedrich Hess die Fabrik in Pacht zu übernehmen und auf eigene Rechnung zu führen, zog aber Anfang 1759 sein Angebot zurück. Diese Entscheidung bedeutete praktisch das endgültige Ende der Fuldaer Fayence-Manufaktur, die spätestens Anfang 1760 den Betrieb eingestellt hatte und in den folgenden Monaten abgewickelt wurde.

Als Fabrikmarke wurde in Fulda, ähnlich vielen der damaligen Fayence-Manufakturen, ein Buchstabenpaar aus der Orts- bzw. LandbezGeorg Friedrich Hess Doppelkürbisvase mit indianischen Blumen Fuldaer Fayence, nach 1751 Hetjens-Museum, Düsseldorfeichnung verwendet: ein “FD”-Zeichen in Mangan oder Blau, das in der Regel auf dem Boden aufgemalt wurde. Nicht selten erscheinen unterhalb eines Längsstrichs das Monogramm des Malers und gelegentlich auch das Herstellungsjahr.

Die Bedeutung der Fuldaer Fayencemanufaktur

In Fulda gelang es Adam Friedrich von Löwenfinck zum ersten Mal nach der Flucht aus Meissen eine Produktionsstätte zu gründen, in der manufakturmäßig Fayencen mit einer bunten Palette von Emaillefarben dekoriert werden konnten und somit, als ausgesprochene Schmuckware, den echten Porzellanen aus China und Meissen Konkurenz machen konnten. Auf dem Weg von karg mit den sog. Scharffeuerfarben (Blau, Mangan, Gelb und Grün) bemalten Waren zu den reich mit Muffelofenfarben verzierten Fayencen markiert die Fuldaer Fabrik des Abtes Amand von Buseck und des Erfinders Adam Friedrich von Löwenfinck keinen gradiellen Fortschritt, sondern bedeutet eine technologische Wende.

 

Schon die Zeitgenossen erkannten die Besonderheit der damals nur in Fulda produzierten Ware, die durch ausländische Händler zu sehr hohen Preisen erworben und über die deutschen Grenzen hinaus transportiert wurde.

Adam Friedrich von Löwenfinck Fisch-Service, Terrine Fuldaer Fayence, vor 1745 Designmuseum Danmark, Kopenhagenund auch heute stehen diese Objekte wegen ihrer herausragenden Qualität und Seltenheit an herausgehobenen Standorten in vielen renommierten Museen der Welt (z.B. The Metropolitan Museum New York, Victoria & Albert Museum London, Rijksmuseum Amsterdam) oder fast allen großen Kunstgewerbemuseen in Deutschland (in Berlin, Hamburg, München, Düsseldorf, Nürnberg, Kassel, Mannheim oder Stuttgart). Sie sind ebenso begehrt von privaten Sammlern, auch außerhalb von Deutschland, und erzielen auf den internationalen Kunstmärkten teilweise fünfstellige Preise, wenn sie überhaupt noch angeboten werden.

 

Creußener Steinzeug|Nationalmuseum

Creussen Nationalmuseum

Kunstwerk des Monats März 2015

Bayerisches Nationalmuseum

Creussener Steinzeug

Für Steinzeugliebhaber hat die kleine oberfränkische Stadt Creussen bei Bayreuth einen klingenden Namen. Sie ist bekannt für ihre prächtig gestalteten Steinzeuggefäße, die von Fürsten wie Geistlichen hoch geschätzt wurden. Die dunkelbraunen Gefäße sind mit feinen Reliefauflagen verziert, betont durch leuchtend bunten Emailfarben.

Gezeigt wird eine repräsentative Auswahl aus eigenem Bestand, darunter eine 1644 datierte Schraubflasche, die den Töpfer Adam Scharf bei der Arbeit zeigt.

 Ausgestellt in Saal 130