Kategorie-Archiv: Steinzeug

Detail Siegburger Schnelle 1765 datiert

Siegburger Schnelle 1565 datiert

Museale und frühe Siegburger Schnelle 1565 datiert

Siegburg salt glazed stoneware Schnelle dated 1565

Frühe Siegburger Schnelle 1565 datiert, Zinndeckel mit Augsburger Marke, H. 21 cm

Schon im Mittelalter war Siegburg ein Töpferort mit der wohl größten Bedeutung im Rheinland und den übrigen bekannten deutschen Zentren. Basis für diese Stellung sind die Tonlager, die eine feinkörnige und weiß brennende Tonmasse ermöglichen.

Vom frühen 16. Jh. an entstehen die ersten figürlichen Gefäße (Männer und Frauen) in Form von Sturzbechern. Aber erst Mitte des 16. Jh. , als viele Kölner Töpfer nach Siegburg kamen, datiert das feinste Siegburger Steinzeug für das die Staht weit über die Grenzen bis nach England und Skandinavien berühmt wurde. Schlanke, hohe konische Gefäße die sogenannten „Schnellen“ wurden mit aufgelegtem Schmuckdekor figürlicher Szenen ausgearbeitet. Die Themen sind der Mythologie und der Bibel entlehnt.

Quelle: S. 18ff Kapitel Siegburg in „Steinzeug und Zinn“ Annaliese Ohm, Margit Bauer
Museum für Kunsthandwerk Frankfurt, 1977

Zinndeckel mit Augsburger Marke

Augsburger Zinnmarke 16. JH

Vergleichsstück im Museum und Literatur:

Stadtarchäologie Lüneburg:

Siegburger Schnelle: Judith erschlägt Holofernes

Für viele Reliefauflagen wurden die Werke bekannter Künstler als Vorlage genutzt. Vor allem christliche Motive entstammen zumeist nicht der Fantasie der Formenschneider, sondern gehen auf die Werke (Holzschnitte, Kupferstiche usw.) anderer Künstler zurück.

Bei Ausgrabungen in Lüneburg wurde eine Schnelle geborgen, deren rechte Reliefauflage auf eine grafische Vorlagen des Künstlers Virgil Solis (1514-1562) zurückgeht.

grafische Vorlage von V. Solis

Judith erschlägt Holofernes, aus: Virgil Solis,
Biblische Figuren deß Alten Testaments. Frankfurt am Main 1565.

Bei der Darstellung der Judith von Virgil Solis handelt es sich um ein Bild im Querformat, das von einem breiten Rahmen umgeben ist. Zu sehen ist – wie auf der Längsauflage der Schnelle – Judith, die mit einen Hammer in der Hand, aus dem Zelt des Holofernes tritt. Holofernes liegt hinter ihr tot am Boden. Anders als auf dem Tonrelief zeigt die graphische Vorlage jedoch noch die Soldaten des Holofernes rechts vom Zelt und im Hintergrund die Stadt Bethulia, auf einem Berg gelegen. Da die Längsauflage, anders als das Originalbild, im Hoch- und nicht im Querformat ist, konnte vermutlich nicht die ganze Szene umgesetzt werden.

Siegburger Schnelle

Die beiden anderen Reliefauflagen zeigen Judith mit dem abgeschlagenen Kopf des Holofernes in ihrer linken Hand und die Gerechtigkeit mit Schwert und Waage.

Literatur:
Penselin, Anna, Das Steinzeug Siegburger Art mit Motivauflagen aus Lüneburg. In: Denkmalpflege in Lüneburg 2012, 36-50.

 

Museum für Kunsthandwerk Frankfurt

Siegburger Schnelle um 1566 Steinzeug und Zinn Ohm Bauer Museum für Kunsthandwerk Frankfurt Abb 35

Siegburger Schnelle um 1566 Steinzeug und Zinn Ohm Bauer Museum für Kunsthandwerk Frankfurt Abb 35

Steinzeug und Zinn Ohm Bauer Museum für Kunsthandwerk Frankfurt 1977

Steinzeug und Zinn Ohm Bauer Museum für Kunsthandwerk Frankfurt 1977

Sammlung Carl und Petra Amendt ausgestellt Krefelder Kunstmuseum

Amendt Krefelder Kunstmuseum die Kunst des Deutschen Steinzeugs Abb. 70

Sammlung Carl und Petra Amendt Krefelder Kunstmuseum die Kunst des Deutschen Steinzeugs: Schnelle Siegburg um 1571 Abb. 70 S. 95

die-kunst-des-deutschen-steinzeugs-karl-und-peter-amendt-ingeborg-unger

Die Kunst des Deutschen Steinzeugs-Collection Karl und Petra Amendt und der Krefelder Kunstmuseen, Ingeborg Unger Krefeld 2013

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Detail Creussen Salt Glazed Stoneware Flask ca. 1625

Creussen Vierkant Flasche um 1625

Seltene und museale Creußener Vierkantflasche um 1625,
Mit bunten Emailfarben bemalt und Auflagen verziert

 

Detail Phönix Creussen Steinzeug Flasche um 1625

Detail Phönix Creussen Steinzeug Flasche um 1625

Ikonographie (Wikipedia)

Pelikan auf dem Schlussstein der St. Pankratius-Kirche in Widecombe-in-the-Moor

Als Symbol für Jesus Christus sind Pelikane auch Teil der christlichen Ikonographie.[11] Nach dem Physiologus, einem frühchristlichen Tierkompendium, öffnet sich der Pelikan mit dem Schnabel die eigene Brust, lässt sein Blut auf seine toten Jungen tropfen und holt sie so wieder ins Leben zurück. Dies wurde allegorisch in Bezug zum Opfertod Jesu Christi gesetzt, wodurch der Pelikan zu einem in der christlichen Ikonographie häufig verwendeten Motiv wurde.
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Pelikane

Phönix (Mythologie)

Ein Phönix in den Flammen (Aberdeen Bestiarium, 12. Jahrhundert)

Der Phönix (altgriechisch Φοίνιξ, Phoínix, von altägyptisch Benu: „Der Wiedergeborene/Der neugeborene Sohn“; lateinisch Phoenix) ist ein mythischer Vogel, der am Ende seines Lebenszyklus verbrennt oder stirbt, um aus dem verwesenden Leib oder aus seiner Asche wieder neu zu erstehen.
Diese Vorstellung findet sich heute noch in der Redewendung „Wie ein Phönix aus der Asche“ für etwas, das schon verloren geglaubt war, aber in neuem Glanz wieder erscheint.
Quelle: Wikipedia_Phönix_(Mythologie)

Vergleichsstück:
Sammlung J.J. Ludwig, Regensburg

Eine vergleichbare 1621 datierte Flasche befand sich in der
Sammlung J.J. Ludwig, Regensburg

Publiziert in:
Nagel Auktionskatalog
Sammlung J.J. Ludwig, Regensburg
Vol I/II
Lot 122
27. – 28. Februar 2008

Sammlung J.J. Ludwig Regensburg

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Creussen stoneware Jug Planets 1665 dated

Creußen Planetenkrug 1665 datiert

Creußener Planetenkrug mit Spruch und Datierung 1665
mit Emailfarben ausdrucksvoll bemalt

Vorschau auf ein wunderschönes museales Stück aus unserem
Jubiläumskatalog 30 Jahre Fayence und Steinzeug im Rathaus München

Creußener Planetenkrug Sol 1665 datiert

Creußener Planetenkrug mit bunten Emailfarben bemalt Datierung 1665 H. 20 cm

Spruch: „Drinck und iß Gott und deineß nechsten nicht vergiß“

Literatur und Vergleichsstücke:

 

S. 138 ff
Creussener Steinzeug. Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber.
Joachim Kröll
Verlag: Braunschweig, Klinkhardt & Biermann, 1980

 

Westerwald Steinzeug Bernisches Historisches Museum

Steinzeug in der Schweiz | A. Heege

Fachliteratur

Andreas Heege Steinzeug in der Schweiz

Andreas Heege
Steinzeug in der Schweiz (14.–20. Jh.).
Ein Überblick über die Funde im Kanton Bern und den Stand der Forschung zu deutschem, französischem und englischem Steinzeug
in der Schweiz.
Bern 2009.

Auszug aus dem Vorwort:
Von besonderer Bedeutung ist, dass Steinzeug in der Schweiz selbst, mangels geeigneter
Tonlager, nicht erzeugt werden konnte und daher importiert werden musste.
Die wissenschaftliche Bearbeitung der für die Schweiz herausragenden und gut datierten Steinzeug-Neufunde aus dem Kanton Bern bot die einmalige Möglichkeit, dem Phänomen des Steinzeughandels und der Steinzeugnutzung unter Einbeziehung der bislang bekannten Funde aus der Schweiz nachzugehen.
Dabei ergaben sich nicht nur neue Erkenntnisse zum Beginn, derEntwicklung und der Diversifizierung des Imports. Vielmehr gelang es, für das frühe 17. Jh. eine Gruppe von Gefässen herauszuarbeiten, die speziell für den bernischen und den schweizerischen Markt gefertigt wurden. Im 18. Jahrhundert, Berns sog. «Goldener Zeit», kennzeichnen die importierten Steinzeuge zugleich neue Konsumgewohnheiten (Kaffee, Tee und Schokolade) einer begüterten und sich an niederländischen Vorbildern orientierenden Einwohnerschaft.

Die Aufarbeitung der Steinzeugfunde lag bei Andreas Heege – aufgrund seiner langjährigen
wissenschaftlichen Tätigkeit in Deutschland – in den richtigen Händen. Für seinen
teilweise ausserdienstlichen Einsatz für dieses Buch sei ihm herzlich gedankt. Den verschiedenen Fachkolleginnen und Fachkollegen, die die Entstehung der vorliegenden Arbeit mit Hinweisen, Einsicht in das Fundmaterial und Abbildungen unterstützt haben, gilt unser
besonderer Dank. Das Bernische Historische Museum, das Historische Museum Basel,
das Schweizerische Landesmuseum Zürich, das Britische Museum in London, die Schlossmuseen Thun und Oberhofen sowie der Rittersaalverein in Burgdorf gewährten hilfreiche Einsicht in ihre Sammlungen und halfen mit Abbildungen vollständiger Gefässe.

Download des Buches als PDF:

Steinzeug Zentren Westerwälder Art

Abb. 1: Steinzeugzentren und Produktionsregionen in
denen Steinzeug «Westerwälder Art» produziert wurde
und ihre Lage im Verhältnis zu ausgewählten Fundorten
in der Schweiz

Inhalt

Vorwort . . . . . . 7
1. Einführung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .  9
2. Stand der Forschung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12
3. Fundstellen mit Steinzeug in der Stadt Bern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 15
4. Die Steinzeugfunde im Kanton Bern und vergleichbares Fundmaterial aus der Schweiz . 20
4.1 Faststeinzeug und Steinzeug, 14. bis 16. Jahrhundert . . 20
4.2 Steinzeug spätes 16. und erste Hälfte 17. Jh. (Köln, Frechen, Raeren und Westerwald) . 22
4.3 Exkurs: Die Produktion reliefverzierten Steinzeugs für den Keramikmarkt der Schweiz . 29
4.4 Steinzeug des zweiten Drittels und der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts . . . 33
4.5 Exkurs: Irdenwarekopien nach Steinzeug-Vorbildern . . . . 41
4.6 Graues und kobaltblau bemaltes Steinzeug des 18. Jahrhunderts
(Westerwald, Elsass, Süddeutschland) . . . . . . . . . . 43
4.7 Graues, kobaltblau bemaltes oder ritzverziertes Steinzeug «Westerwälder Art»
der zweiten Hälfte des 18. und 19. Jahrhunderts . . . . . . . . . . . 49
4.8 Weisses, salzglasiertes, englisches Steinzeug . . . . . . . . . . . .55
4.9 Mineralwasserflaschen aus Steinzeug . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57
4.10 Ungewöhnliche Steinzeugobjekte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .76
5. Ausblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
6. Zusammenfassung – Résumé – Summary . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 81
7. Listen 1–12 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .87
8. Literatur . 96
9. Abbildungsnachweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105

 

30. Spezialauktion Historische Trinkgefäße Johannes Vogt 2008

Spezialauktion Historische Trinkgefäße

Johannes Vogt KunstauktionenJohannes Vogt Auctions:

30. Spezialauktion Johannes Vogt Historische Trinkgefäße

1994 war die erste Auktion meines Bruders mit der Spezialisierung auf alte Bierkrüge im Schussenrieder Bierkrugmuseum.

In der Folge weitere 30 Auktionen bis in das Jahr 2009 mit insgesamt ca.
15.000 versteigerten Objekten
. Einzigartig in dieser Fokussierung auf das
Sammelgebiet der historischen Trinkgefäße aus Fayence, Steinzeug, Glas,
Elfenbein, Silber und Sammlerzinn
.

In dieser Zeit hat sich Johannes Vogt zu einem führenden Experten
in diesem Fachgebiet entwickelt. Seine Expertise war nicht nur in Deutschland
sondern auch weit über die Grenzen hinaus bis in die USA sehr geschätzt.

Seine große Leidenschaft gehörte der Fotografie und es ist ihm gelungen mit
fachmännischem Blick das Besondere jedes einzelnen Objektes zu erfassen und
seine „Seele“ ins rechte Licht zu setzen.

Johannes Vogt Auctions beer steins munich

Sein Vermächtnis sind seine 31 eigenen Auktionskataloge meine Verkaufskataloge
und  2 Fachbücher zum Thema Fayence, Steinzeug und Sammlerzinn:

Von beiden Büchern haben wir noch kleinere Bestände. Auch von den meisten Auktionskatalogen gibt es noch Restbestände.
Bei Interesse melden Sie sich gerne bei uns!
vogt@vogt-auctions.de

Westerwälder-westerwald-Sternkannen-um-1650-stoneware-jug

Westerwälder Steinzeug

Westerwälder Steinzeug ist eine keramische Warenart, die in der frühen Neuzeit im unteren Westerwald und im Kannenbäckerland produziert wurde. Unabhängig von der Provenienz wird der Ausdruck auch allgemein für blau-graues Steinzeug verwendet.

Das Westerwälder Steinzeug wurde ab dem 17. Jahrhundert in großen Mengen in ganz Europa gehandelt und gilt neben ihrer kunstgeschichtlichen Bedeutung als wichtiger Marker bei der Datierung von neuzeitlichen archäologischen Fundstellen.
Sie ist ab etwa 1650 eine der dominierenden Warenarten unter dem Deutschen Steinzeug und wird bis heute hergestellt.
Die bedeutendsten Töpferorte des Westerwaldes waren Höhr, Grenzhausen und Grenzau im Kannenbäckerland. Diese drei Orte gehören heute zur Verbandsgemeinde Höhr-Grenzhausen und liegen nur wenige Kilometer voneinander entfernt.
Um 1600 gehörten diese Orte jedoch unterschiedlichen Landesherren. Höhr war gemeinsamer Besitz der Grafen zu Sayn-Wittgenstein und der Trierer Kurfürsten, Grenzhausen war Teil der Grafschaft Wied während Grenzau zur Grafschaft Isenburg zählte.
Wirtschaftlichen Aufschwung erlebte die Westerwälder Steinzeugproduktion um 1590 durch den Zuzug führender Töpfermeister aus den Töpfereizentren Raeren und Siegburg.

Quelle: Wikipedia

Galerie: Sammlung Peter Vogt Fayence und Steinzeug im Rathaus München

Recherche:

Museum Digital Rheinland-Pfalz Keramikmuseum Westerwald.
Hier erhalten sie einen Überblick über den Bestand in Bildern
und Zuschreibungen

Literatur:

Museum:

KERAMIKMUSEUM Westerwald in HÖHR-GRENZHAUSEN

keramikmuseum-westerwald-hoehr-grenzausen

german-stoneware-Apothekengefäß Westerwald um 1700 Fayence Steinzeug Vogt Rathaus München

Apothekengefäß um 1700

Westerwälder Apothekergefäß um 1700

Über 300 Jahre alt ist dieses Gefäß und immer noch modern!

Spannende Hintergrundinformation zu Apothekengefäßen aus Westerwald in diesem
BLOG – Westerwaldkeramik

Vergleichsstück im Museum:

Keramik Museum Höhr-Grenzhausen

Ein Apothekergefäß von 1591

Inschrift:
„ch hab in meiner Apoteckn viel matern, die lieblich schmecken …“

Apotheker Gefäß Westerwald Jan Emens 1591 Quelle http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

Apotheker Gefäß Westerwald Jan Emens 1591 Quelle: http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

Literatur Quelle:

http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

Aufwendig verzierte Apothekergefässe zählen heute zu weltweit gesuchten keramischen Raritäten. Sie standen ursprünglich als Schau- und Aufbewahrungsgefässe im Verkaufsbereich städtischer Apotheken und sollten dem Kunden einen positiven Eindruck von der Bonität und Seriosität des Unternehmens geben.

Solche Apothekengefässe, die in Italien (Albarello genannt)  entwickelt wurden, entstanden am Ende des 16. Jahrhunderts aus Steinzeug in Raeren, in der Folge aber auch im Westerwald.
Sie lassen sich auf die in Raeren bei Aachen ansässige Familie Mennicken zurückführen. Zu dieser Familie gehörte auch Jan Emens, einer der bedeutendsten Töpfer der Renaissance.

Mit dem Apothekengefäss von Jan Emens aus dem Jahre 1591 verfügt das Keramikmuseum Westerwald nicht nur über eine sehr kostbare Keramik aus der Hand dieses Raerener Meisters. Gleichzeitig belegt das Stück den kontinenteübergreifenden Austausch der Keramiker untereinander, dessen Wurzeln im Falle unseres Apothekergefässes im Persischen Reich liegen.

Im Vergleich zu der großen Fülle von Kannen, Krügen, Humpen und Trinkbechern sind Apothekergefäße aus Steinzeug wie dieses seltener bewahrt und vermutlich in nur geringerer Zahl hergestellt worden.

Der zylindrische Körper hat eine Höhe von 21,5 cm. Er ist zum einfach profilierten Fuß und zur fast horizontalen, ebenfalls durch Profilierungen abgesetzten Lippe leicht eingezogen und unten durch senkrechte Kannelüren sowie an seiner Schulter durch feinen Kerbschnittdekor gegliedert. Die Mitte des Gefäßkörpers nimmt eine Rollwerkkartusche mit einem horizontal gerahmten Feld für eine Beschriftung ein.
Die Beschriftung lautet: OF HI NIT IS VAN JUDAS GESLECHT 1591 [Ob er nicht aus Judas Geschlecht ist]. Kobaltoxid färbt den grauen Scherben blau.

Die am Ende des 16. Jahrhunderts von Italienern in Antwerpen hergestellten Fayencegefäße waren wahrscheinlich für viele Apotheker zu teuer, so dass dafür einheimische Produkte aus Ton oder Steinzeug einen Markt hatten. Vermutlich angeregt durch die weit verbreiteten Antwerpener Produkte beschäftigte man sich am Ende des 16. Jahrhunderts auch in Raeren mit der Herstellung solcher Apothekengefäße. Andere Orte mit Steinzeugproduktion wie Siegburg, Frechen, Köln und Creußen haben keine oder nur wenige Apothekengefäße angefertigt. Im Westerwald entstand eine Fabrikation von Apothekengefäßen, als Raerener Töpfer am Ende des 16. Jahrhunderts dorthin übersiedelten.

Während über Struktur, Entwicklung und tätige Künstler der Raerener Werkstätten wenig bekannt ist, sind die stilistischen Merkmale ihrer Erzeugnisse bekannt. In den zylindrischen Drogengefäßen nimmt Raeren den sogenannten Westerwaldstil vorweg: unser charakteristisch geformtes Stück besitzt geschuppte Schulter, blau ausgegründete Ornamentbordüren und eine aufgemodelte Rollwerkkartusche, deren Inschrift das Datum 1591 trägt. Den ältesten deutschen Apothekenfayencen aus Creußen gleich, führt auch dieses Steinzeuggefäß keine pharmazeutische Aufschrift.

Wie wir später sehen werden, ist die Beschriftung in platt-niederdeutscher oder platt-holländischer Sprache lesbar, hat allerdings zumindest keinen erkennbaren pharmazeutischen Bezug. Auch der tätige Künstler ist feststellbar, denn die Signatur des Stückes I E weist auf Jan Emens. Dieser Keramiker, der seine Produkte voller Stolz signierte, ist eine in Raeren herausragende Künstlerpersönlichkeit und zwar für Gefäßformen ebenso wie für Dekore.

Seinen mit Namenszeichen versehenen Krügen kommt wegen ihrer vollendeten Form und ihres Schmuckes wohl die größte Bedeutung zu. Jan Emens arbeitete schon im Jahre 1558 und wird noch 1591 genannt. Nachdem er gestorben und einige Meister der Familien Mennicken und Kalf nach dem Westerwald verzogen waren, hatte Jan Baldem (Mennicken) den größten und tätigsten Betrieb in Raeren. Von ihm kennen wir 1602-1605 datierte Stücke.
Es muss aber daran erinnert werden, dass die auf der Gefäßwandung angebrachten Daten nicht das Alter des Gefäßes, sondern die Herstellungszeit der Matrize und somit den terminus post quem angeben – als jenen Zeitpunkt, an dem das Gefäß frühestens entstanden ist. Es kann aber auch mit derselben Negativform noch Jahrzehnte später entstanden sein. Jan Baldem (Mennicken) machte sich von der an Reliefmatrizen gebundenen Form frei und bediente sich – wie im Westerwald seit Anfang des 17. Jahrhunderts üblich – der handgeschnittenen Rankornamente, die er auf die ganze Leibung der Gefäße verteilte.

Jan Emens hat um 1590 zum Belag seiner Apothekentöpfe eine Anzahl Zierschilder mit Rollwerkrahmen gestochen, die in der Regel Inschriften in seinen kennzeichnenden Kapitalbuchstaben enthalten. Die Rollwerkrahmen sind nach Stichen des Antwerpener Künstlers Jakob Floris angefertigt. Einige der häufigeren Sprüche lauten:

Tenor ich heb empor I E I590

Frauwe rechent noch nycht I E 1590

Waepen oever de moerrt I E M

Of hi nit en is van judas geslecht I E 1591

Dat was Dergen der mich verreit I E M 1591

Schoene Woerden sonder goenst is ein Art van Iuda Konst Y E M 1591

Wilt den Herren wt Lieffden met Loefsanck sengen und malkan dren vrintelick einen toe brengen I E 159

Irgendein Zusammenhang zwischen dem Wortlaut der Sprüche und dem Zweck der Gefäße ist bis jetzt nicht nachzuweisen. Die bislang bestehende Forschungsmeinung geht dahin, dass Jan Emens seinen Krügen mehr oder minder lange Sprüchlein gab, die, je wortreicher sie ausfielen, um so unverständlicher erscheinen. Der Schlüssel zu den heute für uns völlig unverständlichen Sinnsprüchen dürfte in der im Holland des ausgehenden 16. Jahrhunderts entwickelten Emblematik liegen. Dort sah man es als besondere intellektuelle Kunst an, durch Sinnsprüche und Bildworte den eigentlich zu gebenden Hinweis bis zur Unkenntnis zu verfremden – und damit Bildungsstand und Lebenserfahrung an den Tag zu legen. Andererseits konnte man somit Heilmittel für „peinliche“ Krankheiten, wie beispielsweise die Behandlung der weit verbreiteten Syphilis durch Quecksilber, dezent und nur für den Eingeweihten kenntlich machen. Gerade in der Sinnzuweisung der alleine in Raeren mehr als fünfhundert Inschriften auf reliefverziertem Steinzeug liegt sicher einer der Schlüssel zur vollständigen Erschließung der Gefäße selbst und ihres Funktionszusammenhangs im Sinne einer ganzheitlichen Erfassung einer der herausragenden kunsthandwerklichen Erzeugnisse der ausgehenden Renaissance.

Quelle: http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

 

Stoneware Creussen 17th century

Creussen Steinzeug 17. Jhd.

Museale Highlights
mit Emailfarben bemaltes Creussener Steinzeug

 

Dippoldiswalde-Annaberg-Baker Guild Stoneware Stein ca. 1700 H. 21 cm

Zunft Krüge aus Fayence und Steinzeug

Schwerpunkt in unserer diesjährigen Ausstellung:
Fayence und Steinzeug mit Zunft Motiven der
Bierbrauer, Bäcker, Metzger, Müller und Küfer
aus verschiedenen Manufakturen