Schlagwort-Archiv: 17. Jhd

Schnaps&rösti_Ariana Genf

Musee Ariana Genf

Musee Ariana
„Schnaps et rösti“

Emailliertes Glas und Töpferware aus der Schweiz,
17. bis 19. Jahrhundert
9. Juni 2017 bis 18. Februar 2018

Röstiplatten und Terrinen aus Irdenware mit Engobedekor unter Glasur treffen auf
Schnapsflaschen
und Trinkbecher aus weissem oder farbigem Glas, die mit
polychromer Emailmalerei verziert sind.

Emailbemaltes «Flühli-Glas» wurde hauptsächlich zwischen 1720 und 1820 hergestellt.

Die bekanntesten Töpfereien befanden sich in Langnau, Blankenburg, Bäriswil
und Heimberg.

Die Exponate unterscheiden sich zwar im Hinblick auf Technik und Form, treten aber über die ikonografischen Motive miteinander in Resonanz. Blumen und Tiere, Wappendarstellungen und Genrefiguren zieren die naive Bauernkeramik. Oftmals ergänzen Sprüche mit religiösem, patriotischem oder amourösem Inhalt das Dekor und liefern Einblicke in das Alltagsleben im Bernbiet und im Entlebuch.

Langnau 1779 – Sammlung Musee Ariana Genf

Die Sammlung des Musée Ariana beherbergt einen bedeutenden
Korpus mit an die 200 Schweizer Keramikobjekten.

Sie decken einen grossen Zeitraum ab: von 1680 bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts.

Mit Ausnahme einiger Anschaffungen, die im Laufe der Zeit getätigt wurden, gelangten die meisten Stücke – teilweise erst im Zusammenhang mit dem Aufbau dieser Ausstellung – über Schenkungen und Legate in den Besitz des Museums.

SCHWEIZER TÖPFERWARE

Die grundsätzlich gleichbleibende Töpfereitechnik besteht darin, den Ton nach dem Drehen, Formen und Trocknen mit einer hellbeigen oder dunkelbraunen Grundengobe zu überziehen. Engoben bestehen aus naturbelassenem oder mit Metalloxiden eingefärbtem flüssigem Tonschlicker. In einem nächsten Schritt wird der Gegenstand mit einem Pinsel oder einem Malhörnchen – einer Art birnenförmigen, mit Engobe gefüllten Pipette verziert; zusätzlich zur Emailbemalung werden manchmal Springfeder – oder Ritzdekore angebracht. Schliesslich wird der Gegenstand mit Email überzogen und im Holzofen gebrannt. Der Brennvorgang bringt die kräftigen Engobefarben unter der durchsichtigen, glänzenden Glasur voll zur Geltung.

Zwar wurden Töpfereien nachweislich auch in mehreren anderen Schweizer Gegenden betrieben, doch die wichtigsten Produktionsstätten lagen im Kanton Bern:
die Werkstatt von Abraham Marti in Blankenburg sowie die Zentren in Langnau, Heimberg, Bäriswil und Steffisburg

Die Hafnerei Abraham Marti in Blankenburg (Simmental)

Teller Abraham Marti Blankenburg dat 1758

Plat Abraham Marti, Blankenbourg (Simmental, Berne), daté 1758
Terre cuite, engobes sous glaçure D. 59 cm
Legs Gustave Revilliod, 1890 – Inv. AR 932
Collection Musée Ariana, Genève
Photo Mauro Magliani & Barbara Piovan

Abraham Marti findet erstmals 1748 als einziger Töpfer des Simmentals (Berner Oberland) Erwähnung. Von 1749 bis 1789 stellte er Keramikgeschirr, hauptsächlich Platten, aber auch Ofenkacheln her.

Mit ihrem Dekor auf hellem Hintergrund sind Abraham Martis flache Teller unverwechselbar. Das Profil der Teller weist zwar besonders bei grossformatigen Stücken häufig Unregelmässigkeiten auf, doch die Arbeiten Martis zählen wegen ihrer bemerkenswerten Dekorqualität zu den Glanzleistungen der Schweizer Töpferkunst.
Der grosse Wappenteller (s. Abb.) ist ein Meisterwerk dieser Kategorie.

Mit 19 Tellern und Platten besitzt das Musée Ariana eine der schweizweit grössten Sammlungen von Blankenburger Keramik.

Daniel Herrmann und die Langnauer Keramik

Ab dem 17. Jahrhundert entstanden in der Gemeinde Langnau im Emmental eine ganze
Reihe von Töpfereibetrieben.

Teller Langnau (Berne), dat 1779

Assiette Langnau (Berne), daté 1779
Terre cuite, engobes sous glaçure D. 30 cm
Legs Gustave Revilliod, 1890 – Inv. AR 909
Collection Musée Ariana, Genève
Photo Mauro Magliani & Barbara Piovan

Für die Zeit bis 1850 gibt es Belege für mindestens zehn handwerklich
arbeitende Hafnereien
.

Über mehrere Generationen tätige Hafner, darunter die berühmte Familie Herrmann, entwickelten ein handwerkliches Können, für das der Begriff «Langnauer Stil»
geprägt wurde. Daniel Herrmann (1736-1798) übernahm stilistische Elemente der Frischingschen Fayencemanufaktur, der er eine Zeit lang als Direktor vorstand.
Die Malhorndekoration wurde auf weissem Grund aufgetragen, anschliessend mit
Ritz- und Springfederdekor kombiniert und schliesslich mit einer leicht grünlichen Glasur überzogen. Die meisten Teller sind zudem mit Sprüchen versehen.

Nebst Tellern und Platten wurden auch mindestens 250 weitere Arten von Gebrauchsgegenständen registriert, darunter zahlreiche Terrinen mit unterschiedlichen Formen.

Heimberg und «Heimberger Art»

Ende des 18. Jahrhunderts befand sich das grösste Töpfereizentrum des Kantons Bern in der Region Heimberg. Um 1850 wurden in der Gegend von Heimberg bis zu 80 Töpfereien gezählt, in denen auch Gesellen und Ausmacherinnen (Keramikmalerinnen) beschäftigt waren.

Teller Heimberg Bern 1793 datiert

« Plat à rösti » « À la manière de Heimberg » (Berne), daté 1793
Terre cuite, engobes sous glaçure D. 28,4 cm
Don d’Alfred Dumont, 1894 – Inv. R 195
Collection Musée Ariana, Genève
Photo Mauro Magliani & Barbara Piovan 14

Zu den besonderen Merkmalen der Heimberger Produktion gehört, dass die Verzierungen mit dem Malhörnchen auf eine schwarzbraune Grundengobe aufgetragen wurden.
Die tiefen, als «Röstiplatten» bekannten Servierteller besitzen meistens einen charakteristisch abgeschrägten Rand. Nach heutigen Erkenntnissen beschränkt sich dieser Keramiktyp jedoch nicht auf das Heimberger Töpfereizentrum: Ähnliche Gegenstände wurden auch in Berneck im Rheintal hergestellt.
Dort, wo Stempel oder Markierungen zur Identifizierung des Hafners oder des Produktionsstandorts fehlen, ist deshalb vorsichtshalber der Begriff «Heimberger Art» zu verwenden.

Quelle: Presse Info Deutsch

Mehr Bildmaterial zur Ausstellung als PDF:

http://institutions.ville-geneve.ch/fileadmin/user_upload/ariana/documents/Expositions/DE_Visuels_Ariana_Schnaps_Roesti.pdf

Literatur:

Begleitend zu dieser Ausstellung entstanden mit der Unterstützung von Experten beider Fachgebiete zwei grössere Veröffentlichungen in deutscher und französischer Sprache.

Andreas Heege, Andreas Kistler, Isabelle Naef Galuba
Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e-19e siècles
Deutsch und Französisch

Heege Kistler Poteries décorées de Suisse alémanique musee ariana

Collections du Musée Ariana à Genève
bilingue français-allemand
5 Continents
ISBN 978-88-7439-769-3
Avec le soutien de la Ceramica Stiftung et la Fondation Amaverunt

CHF 85.-

Heinz Horat, Stanislas Anthonioz
Verre émaillé en Suisse, 18e-19e siècles
Deutsch und Französisch

Heinz Horat Stanislas Anthonioz Verre émaillé en Suisse musee ariana

Collections du Musée Ariana à Genève
bilingue français-allemand
5 Continents
ISBN 978-88-7439-768-6
Avec le soutien de la Fondation Amaverunt

CHF 65.-

CHF 135.- Prix spécial pour l’achat des 2 volumes „Poteries décorées de Suisse alémanique, 17e – 19e siècles“ et „Verre émaillé en Suisse, XVIIIe-XIXe siècles“

Bestellung – per mail

ariana@ville-ge.ch

 

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Dießen Fayence Krug um 1680 Werkstatt Wilhelm Rauch

Dießen Fayence Krug um 1680

Seltener und musealer Dießener Fayencekrug um 1680
Der Krug wird der Werkstatt Wilhelm Rauch aus Dießen
St. Georgen zugeschrieben

Dießener Fayencekrug um 1680

Dießener Fayencekrug um 1680 Scharffeuerfarben Mangan und Kobalt H. 26 cm

Bei diesem Krug sehr gut zu sehen die Charakteristik für Dießener Fayencen des 17. Jahrhunderts: die in der Bauchzone sechsfach abgeplattete Form.
Besonders bei diesem Krug ist die Ergänzung der Kobaltblauen Bemalung
um Manganfarbene Akzente.

Literatur:

Mehr zur Geschichte der Diessener Keramik finden Sie in dem Aufsatz von Wolfgang Lösche: „Plab und Weiss Geschirr aus Diessen – eine handwerkliche Fayenceproduktion des 17. Jahrhunderts in Süddeutschland.

PDF download Wolfgang_Loesche_Fayence_Diessen

Im 17. Jahrhundert war der Markt Diessen weit über seine Grenzen hinaus bekannt für die Produktion der blau-weissen Fayencen.

Es ist der Verdienst Ernst Lösches und seiner Familie die Geschichte der
Diessener Keramik und deren Bedeutung lebendig zu halten.


Vergleichsstück mit Datierung 1684 in der Sammlung der Marktgemeinde Dießen:

Vergleichsstück mit Datierung 1676 im Museum Deutscher Fayencen Schloss Höchstädt

diessen fayence krug 1776 datiert museum deutscher fayencen

Diessener Fayence Krug 1676 datiert: Scharffeuerfarben, auf den Flächen christliche Monogramme und Motive, umlaufend Blattbordüre und Spiralranken

Quelle:

Begleitende CD zum Katalog Fayence Museum Schloss Höchstädt Autor: Dr. Ziffer
Herausgeber. Bayerische Schlösser und Seenverwaltung

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Creussen stoneware Jug Planets 1665 dated

Creußen Planetenkrug 1665 datiert

Creußener Planetenkrug mit Spruch und Datierung 1665
mit Emailfarben ausdrucksvoll bemalt

Vorschau auf ein wunderschönes museales Stück aus unserem
Jubiläumskatalog 30 Jahre Fayence und Steinzeug im Rathaus München

Creußener Planetenkrug Sol 1665 datiert

Creußener Planetenkrug mit bunten Emailfarben bemalt Datierung 1665 H. 20 cm

Spruch: „Drinck und iß Gott und deineß nechsten nicht vergiß“

Literatur und Vergleichsstücke:

 

S. 138 ff
Creussener Steinzeug. Ein Handbuch für Sammler und Liebhaber.
Joachim Kröll
Verlag: Braunschweig, Klinkhardt & Biermann, 1980

 

Briotkrug Detail Isaak Faust Straßburg um 1600

Straßburg Briot-Krug um 1630

Früher Straßburger Briot Krug aus Reliefzinn um 1630

Vorschau auf ein wunderschönes museales Stück aus unserem
Jubiläumskatalog 30 Jahre Fayence und Steinzeug im Rathaus München

Auf dem Korpus drei Ovale Medallions mit allegorischen Figuren in Architekturlandschaften, durch Unterschriften als “PATIENTIA“, “SOLERTIA“ und “NONVI“ bezeichnet. Der Deckel ist mit Maskarons, Putten, Roll- und Rankenwerk verziert. Drücker in Form eines Maskaron. Ornamentaler Henkel mit halbplastischer, weiblicher Karyatide. Der Krug stammt aus der Hand des Straßburger Zinngießermeisters Isaac Faust der ab 1628 als Meister arbeitet.

Literatur:
Philippe Boucaud / Claude Frégnac

Zinn – Die ganze Welt des Zinns von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert
Bern-München/Scherz Verlag, 1978

Literatur Zinnmarken:
Hintze, Erwin
Die deutschen Zinngiesser und ihre Marken 7 Bände
ISBN: 9783777264103
Band 7.683-685
.
Dort auch mit Vermerk, dass Isaac Faust seine Reliefkrüge dieser Art frei nach dem Vorbild der Marsschüssel des Francois Briot gearbeitet hat

Marken Zinngießermeister Isaac Faust Straßburg

Marken Zinngießermeister Isaac Faust Straßburg

Referenzstücke in Sammlungen und Museen:

Reliefkrüge des Isaac Faust befanden und befinden sich unter anderen in bedeutenden Sammlungen wie Ruhmann, Lanna, Gimbel, im Kunstgewerbemuseum Straßburg oder im Bayerischen Nationalmuseum München.

François Briot Bassin de la Tempérance Lyon Montbéliard, dernier quart du XVIe siècle

François Briot (vers 1560 – après 1616). Bassin dits « de la Tempérance ». Lyon / Montbéliard, dernier quart du XVIe siècle Quelle: https://fr.wikipedia.org/wiki/Fran%C3%A7ois_Briot

 

 

pewter-modern-tablescape-inspired-by-david-hicks

Modern Pewter Tablescape

Zinn modern und elegant –
heute ebenso wie in vergangenen Epochen

Es kommt nur auf eine kreative Präsentation der geliebten Sammelstücke an.
Und das funktioniert auch in modern eingerichteten Wohnungen.

Als Gestalterischer Kontrapunkt:
„Die mit den Werten vergangener Jahrhunderte beseelten  Kunstgegenstände
für den Alltagsgebrauch von besser gestellten Bürgern einer Region“
So kann auch die Herkunft der eigenen Famile eine Leitlinie für das Sammlen sein.
Kleinere Gegenstände ziehen auch in unsere sehr „mobilen“ Zeit leichter um
als antike Möbel.

Inspiration dafür habe ich mir bei Decorator Legende David Hicks geholt.

Eine Landschaft auf einem Tisch kann viele Themen repräsentieren und so in
Resonanz
mit dem Sammler und seiner Leidenschaft für die einzelnen Objekte gehen.

Ich habe mit verschiedenen Hintergründen experimentiert und mich letztlich für die Variante 2 entschieden, die am besten mit die Farben von Lavendel und Salbei als lebendiger Kontrast zum matt eleganten Zinn harmoniert. Lavendel und Salbei duften intensiv und so bekommt das Arrangement noch eine dritte Dimension für die Sinne.

Hier ist gute Zusammenfassung zu finden nach welchen Kriterien David Hicks
seine tablescapes zusammengestellt hat.

Tablescapes are a great way to show off your most cherished items or collections.
Be it art, books, family heirlooms, or vacation souvenirs – tablescapes are just a pleasing arrangement of objects. But lets be clear.
Not just any haphazard arrangement thrown on a table counts as a tablescape…
According to the late David Hicks, the master of the tablescape,
„It isn’t a matter of just connecting miscellaneous objects on a table.
Each object must be of first-rate quality in itself; otherwise it doesn’t really work“
.

Here are a few key factors to take into consideration when arranging a tablescape.
Hicks said it best, „What is important is not how valuable or inexpensive your objects are, but the care and feeling with which you arrange them.”

  • There is a finite amount of space on a tabletop, so editing your arrangement is essential.
  • Don’t forget to consider the size and scale of your table surface when selecting items.
  • Odd numbers are more appealing to the eye than even numbers. When grouping things together, groupings of 3, 5, 7 or 9 tend to be more visually pleasing.
  • Focus on an item in the foreground and then arrange the other items behind it to give it depth. Just like an artist arranges a still life to paint, one should remember to use objects to create a foreground, middle-ground, and background.
  • It’s also important to add height. A tall lamp, vase, candlestick, or branch easily gives dimension.
  • Larger items lend more of an impact than smaller items.
    That said, don’t avoid the use a small objects, just be aware that you need to design with them in mind so they don’t get lost or make your arrangement look cluttered. This can easily be achieved by grouping them together so they look like a collection or giving them a pedestal so they stand out.
  • Stacked books are a great way to elevate items or display smaller items to create a focal point.
  • When incorporating color, limit your color palette to just a few colors to keep things harmonious. You can also group dissimilar items together by color to create a more coordinated look.

Quelle: http://www.apartmenttherapy.com/how-to-master-t-95927

 

 

 

german-stoneware-Apothekengefäß Westerwald um 1700 Fayence Steinzeug Vogt Rathaus München

Apothekengefäß um 1700

Westerwälder Apothekergefäß um 1700

Über 300 Jahre alt ist dieses Gefäß und immer noch modern!

Spannende Hintergrundinformation zu Apothekengefäßen aus Westerwald in diesem
BLOG – Westerwaldkeramik

Vergleichsstück im Museum:

Keramik Museum Höhr-Grenzhausen

Ein Apothekergefäß von 1591

Inschrift:
„ch hab in meiner Apoteckn viel matern, die lieblich schmecken …“

Apotheker Gefäß Westerwald Jan Emens 1591 Quelle http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

Apotheker Gefäß Westerwald Jan Emens 1591 Quelle: http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

Literatur Quelle:

http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

Aufwendig verzierte Apothekergefässe zählen heute zu weltweit gesuchten keramischen Raritäten. Sie standen ursprünglich als Schau- und Aufbewahrungsgefässe im Verkaufsbereich städtischer Apotheken und sollten dem Kunden einen positiven Eindruck von der Bonität und Seriosität des Unternehmens geben.

Solche Apothekengefässe, die in Italien (Albarello genannt)  entwickelt wurden, entstanden am Ende des 16. Jahrhunderts aus Steinzeug in Raeren, in der Folge aber auch im Westerwald.
Sie lassen sich auf die in Raeren bei Aachen ansässige Familie Mennicken zurückführen. Zu dieser Familie gehörte auch Jan Emens, einer der bedeutendsten Töpfer der Renaissance.

Mit dem Apothekengefäss von Jan Emens aus dem Jahre 1591 verfügt das Keramikmuseum Westerwald nicht nur über eine sehr kostbare Keramik aus der Hand dieses Raerener Meisters. Gleichzeitig belegt das Stück den kontinenteübergreifenden Austausch der Keramiker untereinander, dessen Wurzeln im Falle unseres Apothekergefässes im Persischen Reich liegen.

Im Vergleich zu der großen Fülle von Kannen, Krügen, Humpen und Trinkbechern sind Apothekergefäße aus Steinzeug wie dieses seltener bewahrt und vermutlich in nur geringerer Zahl hergestellt worden.

Der zylindrische Körper hat eine Höhe von 21,5 cm. Er ist zum einfach profilierten Fuß und zur fast horizontalen, ebenfalls durch Profilierungen abgesetzten Lippe leicht eingezogen und unten durch senkrechte Kannelüren sowie an seiner Schulter durch feinen Kerbschnittdekor gegliedert. Die Mitte des Gefäßkörpers nimmt eine Rollwerkkartusche mit einem horizontal gerahmten Feld für eine Beschriftung ein.
Die Beschriftung lautet: OF HI NIT IS VAN JUDAS GESLECHT 1591 [Ob er nicht aus Judas Geschlecht ist]. Kobaltoxid färbt den grauen Scherben blau.

Die am Ende des 16. Jahrhunderts von Italienern in Antwerpen hergestellten Fayencegefäße waren wahrscheinlich für viele Apotheker zu teuer, so dass dafür einheimische Produkte aus Ton oder Steinzeug einen Markt hatten. Vermutlich angeregt durch die weit verbreiteten Antwerpener Produkte beschäftigte man sich am Ende des 16. Jahrhunderts auch in Raeren mit der Herstellung solcher Apothekengefäße. Andere Orte mit Steinzeugproduktion wie Siegburg, Frechen, Köln und Creußen haben keine oder nur wenige Apothekengefäße angefertigt. Im Westerwald entstand eine Fabrikation von Apothekengefäßen, als Raerener Töpfer am Ende des 16. Jahrhunderts dorthin übersiedelten.

Während über Struktur, Entwicklung und tätige Künstler der Raerener Werkstätten wenig bekannt ist, sind die stilistischen Merkmale ihrer Erzeugnisse bekannt. In den zylindrischen Drogengefäßen nimmt Raeren den sogenannten Westerwaldstil vorweg: unser charakteristisch geformtes Stück besitzt geschuppte Schulter, blau ausgegründete Ornamentbordüren und eine aufgemodelte Rollwerkkartusche, deren Inschrift das Datum 1591 trägt. Den ältesten deutschen Apothekenfayencen aus Creußen gleich, führt auch dieses Steinzeuggefäß keine pharmazeutische Aufschrift.

Wie wir später sehen werden, ist die Beschriftung in platt-niederdeutscher oder platt-holländischer Sprache lesbar, hat allerdings zumindest keinen erkennbaren pharmazeutischen Bezug. Auch der tätige Künstler ist feststellbar, denn die Signatur des Stückes I E weist auf Jan Emens. Dieser Keramiker, der seine Produkte voller Stolz signierte, ist eine in Raeren herausragende Künstlerpersönlichkeit und zwar für Gefäßformen ebenso wie für Dekore.

Seinen mit Namenszeichen versehenen Krügen kommt wegen ihrer vollendeten Form und ihres Schmuckes wohl die größte Bedeutung zu. Jan Emens arbeitete schon im Jahre 1558 und wird noch 1591 genannt. Nachdem er gestorben und einige Meister der Familien Mennicken und Kalf nach dem Westerwald verzogen waren, hatte Jan Baldem (Mennicken) den größten und tätigsten Betrieb in Raeren. Von ihm kennen wir 1602-1605 datierte Stücke.
Es muss aber daran erinnert werden, dass die auf der Gefäßwandung angebrachten Daten nicht das Alter des Gefäßes, sondern die Herstellungszeit der Matrize und somit den terminus post quem angeben – als jenen Zeitpunkt, an dem das Gefäß frühestens entstanden ist. Es kann aber auch mit derselben Negativform noch Jahrzehnte später entstanden sein. Jan Baldem (Mennicken) machte sich von der an Reliefmatrizen gebundenen Form frei und bediente sich – wie im Westerwald seit Anfang des 17. Jahrhunderts üblich – der handgeschnittenen Rankornamente, die er auf die ganze Leibung der Gefäße verteilte.

Jan Emens hat um 1590 zum Belag seiner Apothekentöpfe eine Anzahl Zierschilder mit Rollwerkrahmen gestochen, die in der Regel Inschriften in seinen kennzeichnenden Kapitalbuchstaben enthalten. Die Rollwerkrahmen sind nach Stichen des Antwerpener Künstlers Jakob Floris angefertigt. Einige der häufigeren Sprüche lauten:

Tenor ich heb empor I E I590

Frauwe rechent noch nycht I E 1590

Waepen oever de moerrt I E M

Of hi nit en is van judas geslecht I E 1591

Dat was Dergen der mich verreit I E M 1591

Schoene Woerden sonder goenst is ein Art van Iuda Konst Y E M 1591

Wilt den Herren wt Lieffden met Loefsanck sengen und malkan dren vrintelick einen toe brengen I E 159

Irgendein Zusammenhang zwischen dem Wortlaut der Sprüche und dem Zweck der Gefäße ist bis jetzt nicht nachzuweisen. Die bislang bestehende Forschungsmeinung geht dahin, dass Jan Emens seinen Krügen mehr oder minder lange Sprüchlein gab, die, je wortreicher sie ausfielen, um so unverständlicher erscheinen. Der Schlüssel zu den heute für uns völlig unverständlichen Sinnsprüchen dürfte in der im Holland des ausgehenden 16. Jahrhunderts entwickelten Emblematik liegen. Dort sah man es als besondere intellektuelle Kunst an, durch Sinnsprüche und Bildworte den eigentlich zu gebenden Hinweis bis zur Unkenntnis zu verfremden – und damit Bildungsstand und Lebenserfahrung an den Tag zu legen. Andererseits konnte man somit Heilmittel für „peinliche“ Krankheiten, wie beispielsweise die Behandlung der weit verbreiteten Syphilis durch Quecksilber, dezent und nur für den Eingeweihten kenntlich machen. Gerade in der Sinnzuweisung der alleine in Raeren mehr als fünfhundert Inschriften auf reliefverziertem Steinzeug liegt sicher einer der Schlüssel zur vollständigen Erschließung der Gefäße selbst und ihres Funktionszusammenhangs im Sinne einer ganzheitlichen Erfassung einer der herausragenden kunsthandwerklichen Erzeugnisse der ausgehenden Renaissance.

Quelle: http://westerwaldkeramik.twoday.net/stories/5169462/

 

Stoneware Creussen 17th century

Creussen Steinzeug 17. Jhd.

Museale Highlights
mit Emailfarben bemaltes Creussener Steinzeug

 

Jagdliche Fayence aus dem 18. Jhd

Die Vielfalt der jagdlichen Fayence aus dem 18. Jahrhundert im Spiegel der Manufakturen:

Bunzlauer Steinzeug Flasche um 1680

2 Highlights aus unserer Verkaufsausstellung

Die beiden Stücke waren Teil der Sonderausstellung im
Keramikmuseum Boleslawiec

Von den Anfängen der Bunzlauer Keramik – Funde des 15.–16. Jahrhunderts aus einem mitteleuropäischen Zentrum der Töpferei

Die bekannte und weltweit geschätzte Bunzlauer Keramik hat eine jahrhundertelange Tradition. Trotz zahlreicher Berichte in den Chroniken war es bis heute nicht möglich zu bestimmen, wann hier die ersten künstlerischen Steinzeugerzeugnisse entstanden sind und wo die ältesten städtischen Töpfereien verortet lagen. Dank archäologischen Untersuchungen, die im Jahr 2007 von den Mitarbeitern des Muzeum Ceramiki in Bolesławiec an der Piaskowa-Straße durchgeführt wurden, konnten Überreste der bisher ältesten neuzeitlichen Töpferei entdeckt werden. Diese Entdeckung gab den Anlass für ein wissenschaftlich-museumspädagogisches Projekt. Das Projekt wird geleitet vom Muzeum Ceramiki in Bolesławiec und dem Schlesischen Museum zu Görlitz in Zusammenarbeit mit zwei bekannten deutschen Kultureinrichtungen: dem Sächsischen Landesamt für Archäologie, Dresden und dem Kunstgewerbemuseum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Im Rahmen des Projekts entstand eine Ausstellung. Die Ehrenpatenschaft darüber übernahm der Minister für Kultur und Nationales Kulturerbe der Republik Polen, Herr Bogdan Zdrojewski. Die Ausstellung kann bis zum 10. März 2013 im Muzeum Ceramiki in Bolesławiec, Kutuzow-Straße 14 und danach vom 13. Juli bis zum 21. Oktober 2013 im Schlesischen Museum zu Görlitz besichtigt werden. Die Ausstellung setzt sich aus drei großen Komplexen zusammen. Im Mittelpunkt steht Keramik, die im Laufe der archäologischen Untersuchungen an der Piaskowa-Straße in Bolesławiec entdeckt wurde und nun zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wird. Eine Auswahl aus über 20000 Bodenfunden vermittelt einen Einblick in die Keramikformen der Spätrenaissance. Es konnten 101 Gefäße rekonstruiert werden, darunter Töpfe, Krüge, Kannen, Schalen, Teller, Dreibein- und Abgabegefäße. Sie bilden den größten Teil des Fundkomplexes, zu dem auch Schüssel- und Blattkacheln, Pfeifen, Figuren sowie technische Keramik – Brennhilfen der ehemaligen Töpferei und Retorten – gehören. Die ältesten geborgenen Keramikfragmente gehören der Falke-Gruppe an und datieren ins 15./16. Jahrhundert. Zu den jüngsten Funden zählen Pfeifen aus dem 18. Jahrhundert. Der zweite Ausstellungsbereich behandelt Bunzlauer Gefäße aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Im dritten Abschnitt können Erzeugnisse aus den namhaftesten europäischen Zentren der Steinzeugproduktion wie Siegburg, Köln, Westerwald oder Dippoldiswalde bewundert werden, die zur gleichen Zeit entstanden sind. Diese Objekte stammen aus musealen und privaten Sammlungen in ganz Deutschland und Polen. Organisatoren ein wichtiges Anliegen dar.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen, deutsch-polnischen Katalog begleitet, der in einer Auflage von 1000 Exemplar erschienen ist. Diese über 350 Seiten starke Publikation hat einen wissenschaftlichen Charakter und beinhaltet folgende Themen: Bericht über den Verlauf der Untersuchungen, Analyse der entdeckten Artefakte, Objektkatalog der Bunzlauer Keramik des 17. Jahrhunderts, kurze enzyklopädische Zusammenstellung der wichtigsten europäischen Keramikzentren.

Der Katalog beinhaltet zudem zahlreiche Farbfotos, Zeichnungen, Skizzen, Diagrame und Tabellen.

Von den Anfängen der Bunzlauer Keramik Barbara Glinkowska, Stefan Krabath, Anna Bober-Tubaj, Agata Bojanowska, Michał Karpiński, Andrzej Olejniczak, Tadeusz Orawiec, Anna Puk, Robert Szwed Muzeum Ceramiki w Bolesławcu, Schlesisches Museum zu Görlitz

Quelle: http://www.muzeum.boleslawiec.net/de/exhibitions/265