Archiv für den Monat: Dezember 2016

Nürnberg Fayence Anbetung der Hirten Kordenbusch Krug um 1745

Anbetung der Hirten | Nürnberger Fayence Krug

Nürnberger Fayence Birnkrug mit der Anbetung der Hirten
in blauer Scharffeuermalerei
aus der Kordenbusch Werkstatt
Provenienz: Sammlung Hans Cohn Los Angeles, USA

Nurnberg Faience Jug Kordenbusch ca. 1745 Nürnberg Fayence birnkrug Kordenbuschmarke - Blue K mark

Nürnberger Birnkrug anbetung der Hirten um 1745, Kordenbuschmarke, H. 30 cm

Birnförmig mit Godronierter Wandung  und Zopfhenkel. Im Deckel der Zinnmontierung
Medaillon mit Frauenbüste und Umschrift.
Auf dem unglasierten Boden Blaue Marke „K mit 3 Punkten“. Große hochovale Kartusche mit der „Anbetung der Hirten“.
Seitlich Blumen und Fiederblattranken.

Das Motiv geht zurück auf die Weihnachtsgeschichte im Lukasevangelium
(Lk 2,8–20 EU), wo es heißt:

„In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat der Engel des Herrn zu ihnen und der Glanz des Herrn umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr, der Engel aber sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Messias, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Verherrlicht ist Gott in der Höhe und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade. Als die Engel sie verlassen hatten und in den Himmel zurückgekehrt waren, sagten die Hirten zueinander: Kommt, wir gehen nach Betlehem, um das Ereignis zu sehen, das uns der Herr verkünden ließ. So eilten sie hin und fanden Maria und Josef und das Kind, das in der Krippe lag. Als sie es sahen, erzählten sie, was ihnen über dieses Kind gesagt worden war. Und alle, die es hörten, staunten über die Worte der Hirten. Maria aber bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Die Hirten kehrten zurück, rühmten Gott und priesen ihn für das, was sie gehört und gesehen hatten; denn alles war so gewesen, wie es ihnen gesagt worden war.“

Literatur:
Seite 158/159

Bosch, Helmut: Deutsche Fayencekrüge des 17. und 18. Jahrhunderts. Sammlungen Hans Cohn, Los Angeles.

Bosch, Helmut: Deutsche Fayencekrüge des 17. und 18. Jahrhunderts. Sammlungen Hans Cohn, Los Angeles. Siegfried Kramarsky, New York.
Mainz: Von Zabern 1983.

proskau-walzenkrug-fayence-musikanten-um-1800

Proskau Fayence | Muffelmalerei

Fayence aus der Proskauer Manufaktur

gehörte früher zur Zierde barocker Tafeln und schmückten
herrschaftliche Wohnsitze.

proskau-fayence-terrine-um-1800

Bis heute wird oberschlesische Fayence aus Proskau und Glinitz
aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
zu hohen Preisen gehandelt.

proskauer-fayence-blumen-kruege-um-1800

Proskauer-Fayence-Blumen-Krüge-um-1800

Charakteristisch für die künstlerische Gestaltung ist die Proskauer Rose
in leuchtend roten Muffelfarben und sehr plastischer Malerei:

Galerie: Sammlung Peter Vogt Fayence und Steinzeug im Rathaus München

 

Literatur:
Renate Scholz, Humpen und Krüge: Trinkgefäße 16. bis 20. Jh.,

Humpen und Krüge Trinkgefäße 16. - 20. Jahrhundert Autor Renate Scholz

Humpen und Krüge – Trinkgefäße 16. – 20. Jahrhundert
Autor:  Renate Scholz
München, Keysersche Verlagsbuchhandlung, 1978


Die Geschichte der Fayenceherstellung mit dem Schwerpunkt Proskau ist für die Kunst, Kultur und Wirtschaft des 18. Jahrhunderts typisch und zugleich aussagekräftig.
Preußens König Friedrich II, genannt der Große, handelte nach merkantilistischen Prinzipien. Vor allem durch massive Staatseingriffe, die Förderung des Exports und die Einschränkung des Imports wurde versucht, die nationale Wirtschaftskraft zu steigern.
So veranlasste er Graf Leopold von Proskau 1763 eine Fayencefabrik zu gründen. Aufgrund der günstigen geographischen Gegebenheiten des oberschlesischen Proskau (heute Prószków in der Wojewodschaft Oppeln) eignete sich dieses Dorf besonders gut für einen keramischen Betrieb. Mehrere Tonlager, große Wälder und das Wasser der Proska schufen gute Voraussetzungen für den Manufakturbetrieb. Die ersten Arbeiter in Proskau wurden aus der Fayence-Manufaktur im mährischen Holitsch sowie von der Straßburger Manufaktur Paul und Josef Hannongs angeworben. Somit prägen fremde Einflüsse die ersten Produktionen. Als Graf Leopold nur sechs Jahre nach der Gründung kinderlos starb, endete diese erste Produktionsphase.

Fayence_SpardoseDie Proskauer Manufaktur gelangte dann in den Besitz der Familie von Dietrichstein. Unter deren Führung kam es ab 1770 zu einer neuen Blüte. Die Palette der Erzeugnisse wurde wesentlich vergrößert und bis zu 44 Arbeiter fanden Beschäftigung. Diese relative Größe schuf jedoch keine Konkurrenz zu den damals großen Porzellanfabriken. In Meissen beispielsweise gab es zeitgleich bereits knapp 600 Beschäftigte.
Zahlreiche Angestellte kamen aus Mähren, was die wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Regionen förderte. Während dieser Epoche entstand der größte Teil der figürlichen Objekte. Zu den mit bunten Muffelfarben bemalten Geschirren kommen nun auch plastische florale Elemente etwa als Henkel oder Knauf. Es entstehen Pastetendosen, Terrinen und Kannen in Form von Obst, Gemüse und Tieren, etwa Rebhühner, Enten oder Papageien als dekorative Elemente einer festlich gedeckten Tafel. Aber auch mythologische und religiöse Motive sowie Genreszenen schmückten nun die Fayencen. Die Proskauer Erzeugnisse erlangten nun auch außerhalb Schlesiens große Popularität. Das änderte freilich nichts an einer finanziell desolaten Lage, derentwegen die Manufaktur 1783 an den preußischen Staat verkauft wurde. Das leitete das Ende der zweiten Produktionsphase ein. Zunächst wurde eine der damals üblichen Lotterien veranstaltet. Waren, die sich über Jahre in den Magazinen gesammelt hatten, wurden verkauft und so die finanzielle Lage etwas aufgebessert. Der erhoffte Aufschwung blieb jedoch aus. Dies ist vor allem auf personelle Probleme zurückzuführen, denn zwei der wichtigsten Fachleute wechselten in die Manufaktur nach Holitsch.

Fayence_TerrineIn der Umbruchszeit 1788, also zwei Jahre nach dem Tod König Friedrich II. und ein Jahr vor der französischen Revolution, gab es in Proskau einen erneuten Führungswechsel und damit eine grundlegende Umstrukturierung. Von nun an wurde vor allem Steingut hergestellt, was die Produktionskosten erheblich senkte. Der ehemalige Direktor der Königlichen Zeichenschule in Breslau, Karl Daniel Friedrich Bach (1768-1829), wurde 1793 zum künstlerischen Kurator berufen. Er führte neoklassische Dekormotive ein und ließ Gefäße nach antiken Vorbildern fertigen.

Fayence_Papagei
Alle diese Maßnahmen und selbst drei weitere Führungswechsel konnten den Niedergang der Manufaktur nicht mehr verhindern. Die Fayence war einfach nicht mehr zeitgemäß und die Konkurrenz des Porzellans wuchs übermächtig. Mit den preußischen Reformgesetzen wurde 1810 die Gewerbefreiheit eingeführt. Doch noch kam sowohl Meissen als auch der Königlichen Porzellan Manufaktur (KPM) in Berlin eine monopolartige Stellung zu. Die Kenntnisse zur Porzellanherstellung waren erst zur Mitte des neuen Jahrhunderts so allgemein, dass Porzellane sehr erfolgreich auch in Schlesien hergestellt wurden. Dazu trugen im niederschlesischen Waldenburg samt Umfeld besonders die Betriebe von Carl Krister (1802-1869) und ab 1845 von Carl Tielsch (1815-1882) in Altwasser bei. Über mehrere Jahre waren diese schlesischen Porzellanfabriken später die größten im Deutschen Reich. Weitere Fabriken entstanden auch im Laufe der Jahre von Kattowitz (Giesche) über Tillowitz (Kreis Falkenberg, R. Schlegelmilch), Königszelt (A. Rappsilber) bis nach Tiefenfurt (Donath, Steinmann, Tuppack). Schon 1855 war in Preußen knapp die Hälfte aller Beschäftigten dieses Industriezweigs in Schlesien beschäftigt.
Ein Brand in der Proskauer Schlämmhalle wurde 1853 jedenfalls zum Anlass genommen, die Produktion endgültig einzustellen.

Fayence_Schale
Die Arten von Ton, die in Proskau verwendet wurden, ergaben einen grau-weißen, weiß-gelben oder orange-gelben Scherben. Bemalt wurde dieser dann vor allem mit Muffelfarben. Unterscheiden lassen sich die Erzeugnisse der drei Fabrikationsphasen fast ausschließlich anhand der Marken. Fayencen der ersten Epoche wurden mit einem in Kursivschrift und Mangan geschriebenen Buchstabe „P“ markiert. In der zweiten Phase kam noch ein „D“ für Dietrichstein vor das „P“. In der dritten Phase wurde wieder mit „P“ in Mangan oder Kobalt signiert, bzw. das Steingut mit „PROSKAU“ oder „PR“ gestempelt. Die unter der Marke aufgetragenen Striche, Punkte oder andere Zeichen wiesen den Maler, Brenner, Former oder eine andere für die Fabrikleitung wissenswerte Information aus. Zahlen über der Marke geben vermutlich die Servicenummern an.

Fayence_Mann
Die Ausstellung wird neben Proskauer Fayencen auch Erzeugnisse aus der nahe Proskau gelegenen Manufaktur in Glinitz (heute Glinica in der Wojwodschaft Schlesien) und der von Carl von Dietrichstein gegründeten Manufaktur in Mährisch-Weißkirchen (heute Hranice na Morave in Tschechien) zeigen. So soll eine Einordnung der Proskauer Fayence in einen größeren familiären, geographischen und auch politischen Zusammenhang ermöglicht werden. Zusätzlich zu den eigentlichen Fayencen möchte das Oberschlesische Landesmuseum den Besuchern einige allgemeine Informationen zu Geschichte und Technik der Fayence nahe bringen.
CD_Proskau

Der digitale Katalog „Glanzpunkte schlesischer Keramik.
Fayencen aus Proskau und Gliniz in Museen und Sammlungen.“ zu Beständen Proskauer Fayencen in Museen und Privatsammlungen sowie zu Angeboten des Kunsthandels ist im Museumsshop für 19,80 Euro unter der Rubrik „Schriften der Stiftung“ erhältlich.

Quelle:
http://www.oberschlesisches-landesmuseum.de/pl/2012-03-14-09-03-18/archiwum/2009-2010/47-07-11-2010-06-02-2011-glanzst%C3%BCcke-schlesischer-keramik-proskauer-fayencen.html