Archiv für das Jahr: 2021

Gmundner Zunftkrug 1842 datiert

mit der Darstellung der Hafner Werkstatt von Franz Föttinger

Weiss glasierte Fayence mit bunten Scharffeuerfarben bemalt. Die Schauseite zeigt den an der Töpferscheibe sitzenden Hafner Franz Föttinger bei der Produktion  in seiner Werkstatt.

SPRUCHBAND: „Dein Geschirr aus Erde gemacht wen viell zerbricht der Hafner lacht
„Your crockery made of clay delights the potter if you brake a lot“

Unter dem Spruchband Initialen F.F. umrahmt von der Datierung 1842. Henkel mit typischer eingerollter Schnecke und Malermonogramm K.P.

English synopsis:

The jug is a quite rare and an interesting testimony of the potter Franz Fötinger and shows the view into his workshop. He is sitting at his potter’s wheel, that is state of the art and was very modern at the time. (Modeled after the italien pottery wheels).

Outstanding and very rare to find is the clear depiction of the working method of a potter of the era. There is another known jug with a similar depiction dated 1788, Schlossmuseum Linz (Illustration in Hermann Langer Österreichische Fayencen Wien 1988 p. 178 Fig 129 Description. Illustration color plate p. 120 cat. No. 129). More detailed information and further illustration in: Heinzl, Brigitte: The pottery of Gmund in the art historical department of the Upper Austrian Museum. Yearbook of the Upper Austrian Museum Association vol. 135, 1 (1990) pp. 109-133.

Gmundner Zunftkrug 1842 datiert, Schauseite Werkstatt von Franz Föttinger H. 28 cm

Die Darstellung ist ein interessantes Zeitzeugnis und zeigt den Blick in die der Hafnerwerkstatt von Franz Föttinger. Eine durch zwei Fenster gut beleuchtete Arbeitsstätte. Der Töpfer sitzt an der für die damalige Zeit modernen fussbetriebenen Spindelscheibe (Erläuterungen hierzu von Alice Kaltenberger im Forum der Oberösterreichischen Geschichte) an welcher der Töpfer in deutscher Manier sitzt. (Rittlinks mit den Beinen beidseitig der Achsenhalterung). Er ist dabei eine Schüssel zu drehen, vermutlich einen Weitling als Gebrauchskeramik. 
Links unter der Bank auf dem Bretterboden befindet sich das Tonlager. Darüber eine bereits fertig gestellte Vase. In Griffweite der Schlickkasten mit darüber gelegtem Abschneidedraht mit Holzknebeln zum Ablösen des fertig gestellen Objekts von der Drehscheibe.
Rechts sind bereits fertige gedrehte Gefäße zu sehen, die durch das Fenster zum Trocknen heraus gereicht werden können. Davor weitere drei fertig gedrehte Schüsseln. Dahinter liegen bereits fertig vorbereitete Tonportionen für weitere Gefäße. Natürlich darf auch die Pfeife und der eigene Deckelkrug nicht fehlen. Diese beiden wichtigen Utensilien für den Genuß des Töpfers hängen griffbereit an der Wand.

Herausragend und sehr selten zu finden ist die klare Darstellung der Arbeitsweise eines Hafners der Epoche. Es ist noch ein Walzenkrug mit ähnlicher Darstellung bekannt, allerdings früher 1788 datiert und es ist die zu der damaligen Zeit gebräuchliche Sprossenscheibe abgebildet. Schlossmuseum Linz (Abbildung in Hermann Langer Österreichische Fayencen Wien 1988 S. 178 Abb 129 Beschreibung. Abbildung Farbtafel S. 120 Kat. Nr. 129). Vertiefende Informationen und weitere Abbildung in: Heinzl, Brigitte: Die Keramik Gmundens in der kunsthistorischen Abteilung des Oberösterreichischen Landesmuseums. Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines Bd. 135, 1 (1990) S. 109-133

Details der Ausstattung der Haufner Werkstatt von Franz Föttinger mit moderner Spindelscheibe
Gmundner Birnkrug 1842 datiert Werkstatt Franz Föttinger Zinndeckel Gravur FF
Zinndeckel mit Gravur „FF“

Weitere Vergleichsstücke in der Literatur:

Futher objects depicting workshops of potters are part of the König Collection of Gmunden Ceramics. As you can see here they are working at a potter’s wheel with the technique of earlier times.

In der Sammlung König befinden sich eine Godenschale aus dem späten 18. Jh. mit der zu der Zeit gebräuchlichen hochgelagerten Blockscheibe und eine Barbierschüssel aus dem frühen 18. Jh. mit der damals gebräuchlichen Sprossenscheibe.

König, F.H. Alt-Gmundner Fayencen. Eine Handwerkskunst aus dem Salzkammergut (17.-19. Jhd.) Linz 1964

S. 74 Abb 13 Barbierschüssel datiert 1735

S. 103 Abb. 27 Godenschale 1784 datiert

Another example of the depiction of the workshop of a renown potter can be found in the Museum Carolo Augustinum in Salzburg and it shows the workshop of Obermillner.

Carolo Augustinum Sammlung Salzburg Fayence Werkstatt Obermillner


Großer Birnkrug „Hafnerwerkstatt“
Salzburg, Werkstatt Obermillner 1680

Abgebildet in: Morath, W. (Ed.). (1999). Blaue Welle, grüne Flamme: Salzburger und Gmunder Fayencen, 17.-19. Jahrhundert, aus der Sammlung des Carolino Augusteum; Katalog zur Sonderausstellung im Carolino Augusteum.
Kat.Nr. 3 S. 23

Weitere Informationen zu den Gmundner Fayencen in der lesenswerten Diplomarbeit von Katharina Marchgraber mit dem Titel
„Frühe Gmundner Fayence bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts“

Abstract: Etwa ab 1700 beginnt in Gmunden die Herstellung künstlerisch verarbeiteter und bemalter Fayence, deren einheitliches Bild sich nach und nach einen klaren Wiedererkennungswert schafft. Dieses Erscheinungsbild bleibt seinen Prinzipien bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts treu, ändert sich aber schlagartig aufgrund der wirtschaftlichen und geschmacklichen Veränderungen des Historismus. Neben einer übersichtlichen Zusammenfassung aller bisher veröffentlichten Unterlagen zum Thema, behandelt diese Arbeit die Prinzipien der Gmundner Hafnertradition. Außerdem wird durch einen fotografischen Querschnitt die Einteilung in Farbperioden erklärt und die Entwicklung der Gefäß- und Dekorformen beschrieben. Weiters wird die Vorbildfunktion diverser europäischer Werkstätten geklärt, um infolge die Gmundner Fayence in die internationale Keramikgeschichte einbetten zu können.

Download: http://othes.univie.ac.at/1098/1/2008-09-15_0002754.pdf

Fayence und Steinzeug Katalog 2021

Faience | Stoneware |Glass| Works of Art
16th, 17th and 18th century new catalogue 2021

Unser aktueller Katalog ausgewählter Objekte aus
4 Jahrhunderten Fayence | Steinzeug | Silber | Glas |Zinn

Augsburg Silver Tankard mid-17th century; mark of D. Schwestermüller

Augsburger Silber Humpen um 1680

17th century Augsburg silver parcel-gilt tankard made by Daniel Schwestermüller

Subjects chased in high relief representing part of the story of Augsburg; mid-17th century; mark of Daniel Schwestermüller (master 1673, died 1695). The goldsmith has incorporated reliefs of the late 16th century around the body of the tankard. With chased motif of a standing warrior with shield as finial

Augsburg Silver Tankard mid-17th century; mark of David Schwestermüller

Dieser teilvergoldete Deckelkrug aus dem 17. Jh vom Augsburger Silberschmied Daniel Schwestermüller (Meister 1673, gestorben 1695) geschaffen. Ganz dem Stil des Barock entsprechend, weist das Stück ein reiches Reliefdekor auf. stehenden Krieger mit Schild als Knauf

Augsburger Silber

Das barocke Silber in Augsburg hatte eine sehr expressive Stilrichtung, die Gefäße haben lebhafte Konturen, ihre getriebenen Ornamente zeigen viele Variationen

The silverware from Augsburg was known as Augsburg silver and guaranteed excellent quality, since Augsburg silverware was very popular at many European royal courts and aristocratic courts of Bavaria, Württemberg, Saxony, Prussia, Brandenburg, Sweden and Denmark.

Das Silbergeschirr aus Augsburg war als Augsburger Silber bekannt und bürgte für gute Qualität, denn Augsburger Silbergerät war an vielen europäischen Königshöfen und Adelshöfen von Bayern, Württemberg, Sachsen, Preußen, Brandenburg, Schweden und Dänemark sehr beliebt.

Augsburg wurde im Mittelalter vom Handel mit Silber und Salz entscheidend geprägt. Der Augsburger Jakob Fugger (1459-1525) hat viel zur Vorherrschaft von Augsburg als Zentrum der Silberschmiedekunst beigetragen. Durch geschicktes und weitsichtiges Agieren verschaffte er sich das Bergregal und somit die Rechte auf die Ausbeutung des Südtiroler Silbers. (Bergwerksregal, ist das Verfügungsrecht über die ungehobenen Bodenschätze. Historisch zählte es zu den Regalien, womit man ursprünglich die Herrschaftsrechte des Königs bezeichnete (Berghoheit).[1] Neben dem Bergregal galt auch das Münzregal als wichtiges landesherrliches Privileg und war eine Folge aus dem Bergregal.[2])
Quelle wikipedia

Die Fugger in Augsburg

Jakob Fugger der Reiche weilte bereits als 14-Jähriger zur Ausbildung als Kaufmann in Venedig. Etwa um 1486 kehrte er nach Augsburg zurück, wo er bald sein kaufmännisches Genie bewies. Durch die Verknüpfung von Edelmetall-, Waren- und Finanzierungsgeschäften stieg er zum führenden Kaufmann seiner Zeit auf. Die geschäftlichen Schwerpunkte Jakob Fuggers lagen in Tirol, Kärnten und in Oberungarn, der heutigen Slowakei. Durch Kredite an die Landesherren war ihm eine monopolartige Nutzung der dortigen Kupfer- und Silbervorkommen möglich.
Quelle: https://www.fugger.de/home/

Background information as podcast in English
Tides of History
Jakob Fugger: The Richest Man Who Ever Lived?

At the end of the fifteenth century, the center of European banking suddenly swung from its birthplace in Italy to south Germany. The key figure in that transition was Jakob Fugger of Augsburg, maybe the richest man who ever lived.