Archiv der Kategorie: Fayence

18. Jh Wiesbaden Fayence Platte Grüne Muffelmalerei

Fayence Manufaktur Wiesbaden 1770-1797

Die kurze Epoche der Fayence Manufaktur in Wiesbaden Ende des 18. Jahrhunderts

Die Gründung der Wiesbadener Fayencemanufaktur begann 1770 unter Johann Jacob Kaisin (gest. 1774). Am 3. Februar 1774 übernahm der ehemalige Direktor der Flörsheimer Fayencemanufaktur Kaspar Dreste die Leitung der Manufaktur.
Dreste betrieb das Unternehmen bis zu seinem Tod 1787. Danach führte seine Witwe die Geschäfte bis zum Jahr 1795 in dem die Manufaktur geschlossen wurde.
Quelle: S. 146 f.
Fayencen der Sammlung Wolf-D. Amelung. Mainfränkischen Museum Würzburg

(s.u. Literatur)

Wiesbadener Fayenceplatte um 1770, grüne Muffelmalerei, Manufakturmarke „WD“, B

Wiesbadener Fayenceplatte um 1770, grüne Muffelmalerei, Manufakturmarke „WD“, B. 29 cm

Camaieu Malerei:

Camaïeu bzw. Camaïeu-Malerei ist ein Fachbegriff für eine monochrome Maltechnik ein und dieselbe Farbe in unterschiedlichen Abtönungen verwendet
Gegenstände aus Porzellan oder Fayence wurden im ersten Drittel des 18. Jahrhunderts bevorzugt mit Purpur und Eisenrot, später mit Kupfergrün, in Grau und Sepia dekoriert.
Quelle: Wikipedia

18. Jh Camaieu Malerei Muffelfarben Fayence Wiesbaden Blumen
Detail Camaïeu Malerei in Kupfergrün auf Wiesbadener Fayence Platte um 1774

Manufakturmarke

Die Marke WD wurde ca. ab 1774/75 verwendet mit der Übernahme der Leitung der Wiesbadener Manufaktur durch Kaspar Dreste.

Manufakturmarke WD

Vergleichsobjekt im Museum:

Museum für Franken
Staatliches Museum für Kunst- und Kulturgeschichte in Würzburg

Festung Marienberg

Fayence Leuchter Wiesbaden um 1775
H. 22,3 cm
Unterseite mit Manufakturmarke WD
Muffelmalerei in Grün (Camaieu)
Fuß mit Rocaillenornamenten und Blütenzweige und Streublümchen.

Aus der Sammlung Wolf-D. Amelung (1943-2012) leidenschaftlicher Sammler und international anerkannter Kenner von Fayencen. Objekt ist der Schenkung an das Mainfränkischen Museum

Quelle: Sammlerglück (s.u.)
S. 147

Literatur:

Sammlerglück Fayencen der Sammlung Amelung Mainfränkisches Museum Würzburg 2014

S. 146 f.
Fayencen der Sammlung Wolf-D. Amelung. Schenkung und Leihgaben im Mainfränkischen Museum Würzburg Autor: Trenschel, Hans-Peter; Wall, Frauke van der

Vergleichsobjekt in der Literatur

Wiesbaden Ovale Fayence Platte, Dekor in Grün mit schwarzer Kontur Marke WD

Oppenheim, Michel Wiesbadener Fayence KERMOS 46 1969 Abb. 24

Oppenheim, Michel Wiesbadener Fayence KERAMOS No 46 1969 S. 3-43
Abb. 24 Gesellschaft der Keramikfreunde, Mannheim.

18th-century-works-of-art-Fayence-Hausmaler-Jug-with-Purpur-Flora

Hausmaler Krug | Bartholomäus Seuter

Augsburger Hausmalerkrug Muffelmalerei bemalt von Bartholomäus Seuter auf einem Ansbacher Fayence Enghalskrug, Medaillon: Frühlingsgöttin Flora mit Blütenkranz, umrahmt von Barockornament in Purpur und bunten Muffelfarben um 1730

Baroque Ansbach Faience Enghalskrug DECORATION BY BARTHOLOMÄUS SEUTER (Augsburg) Cartouche with Goddess of spring Flora engulfed with garland of blossoms in Purpur Camaieu and framed by baroque ornaments in vivid muffle fired colours ca. 1730

Bartholomäus Seuter – manifold craftsmanship and artistry

After the decline of the Nuremberg HAUSMALER workshops in the 1720s began the peak period of the Augsburg HAUSMALER. Their most important representative was the goldsmith, enameler, porcelain and faience painter, silk dyer and copper engraver, Bartholomäus SEUTER (1678-1754). As faience painter, Seuter preferred narrow-necked jugs (Enghalskrüge), which he obtained as white ware from the factories in Hanau, Frankfurt, Ansbach and Nuremberg. His palette contained the colors purple, iron red, green, yellow, blue, brown and black. Only a few of Seuter’s works are signed with his initials BS.

Nach dem Niedergang der Nürnberger Hausmalerei in den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts begann die Blütezeit der Augsburger Hausmaler. Ihr wichtigster Vertreter war der Goldarbeiter, Emailleur, Porzellan- und Fayencemaler, Seidenfärber und Kupferstecher Bartholomäus SEUTER (1678-1754).

BARTHOLOMÄUS SEUTER als Gärtner. Kupferstich von Johann Jakob Haid, Augsburg um 1740 (Städtische Kunstsammlungen Augsburg)


Als Fayencemaler bevorzugt Seuter Enghalskrüge, die er aus den Manufakturen Hanau, Frankfurt, Ansbach und Nürnberg als Weißware bezieht. Seine Palette umfaßt die Farben Purpur, Eisenrot, Grün, Gelb, Blau, Braun und Schwarz. Nur wenige Arbeiten Seuters sind mit seinen Initialen BS signiert.

HAUSMALEREI | STUDIO PAINTING

Hausmaler fertigten nie selbst Keramik an, sondern bemalten die aus Manufakturen wie zum Beispiel Delft, Hanau oder Frankfurt, seit 1712 auch aus Nürnberg erworbenen, unbemalten Stücke mit der ihnen eigenen Technik des Schwarzlots oder des farbigen Emails. Zwei Berufsgruppen brachten die Voraussetzungen mit, um unbemalte Fayencen dekorieren und in den kleinen Muffelöfen ihrer Werkstätten brennen zu können: erstens die Glasmaler; sie übertrugen die ihnen von der Scheibenmalerei her bekannte Technik der Muffelmalerei einfach auf die Fayence und bevorzugten dabei, wie in der monumentalen Glasmalerei üblich, das Schwarzlot und zweitens die Goldschmiede, die sich ihre Kenntnisse des Emaillierens zunutze machten und die bunten Schmelzfarben auf die dafür sehr geeignete Fayence aufbrachten.

Hausmaler painted the undecorated pieces, which they acquired from factories in Delft, Hanau, Frankfurt and elsewhere (after 1712 from Nuremberg as well), in their own particular technique of schwarzlot or colored enamel. Two groups of craftsmen possessed the required expertise to decorate unpainted faience pieces and fire them in the little muffle-kilns in their workshops. Firstly, the glass painters, who simply applied to faience decoration the technique of muffle-fired painting already known to them from their own craft and, as was usual in monumental glass painting, they preferred schwarzlot; secondly, the goldsmiths, who used their skills in enameling and put the fusible bigments of various colors on the admirably suited faience. As the Hausmaler had their „workshops“ on their own premises they did not have to follow regulations of the guilds and therefore free to expres their own style of craftsmanship.

After 1720, Nuremberg had to yield pride of place in the field of this type of STUDIO painting to Augsburg. From now on the goldsmith Johann Auffenwerth, his daughters Anna Elisabeth and Sabina, the craftsmen Bartholomäus Seuter and his brother Abraham were largely responsible for the fame of the Augsburg HAUSMALER school.


(S. 18 f. Bosch, H. (1983). Deutsche Fayencekrüge des 17. und 18. Jahrhunderts: Sammlungen Hans Cohn, Los Angeles, Siegfried Kramarsky, New York. P. von Zabern.)

Museum Reference – MAK Vienna

Ansbach-Augsburger Hausmalerkrug, Medaillon: Ceres mit Garbe, umrahmt von Barockornament in Purpur und bunten Farben. H. 29,5 cm.
Österreichisches Museum für angewandte Kunst in Wien.

Abb. 173 / S. 183
Bayer, Adolf
Die Ansbacher Fayence-Fabriken: ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Keramik 1710-1839; ein Handbuch für Sammler und Liebhaber. Klinkhardt & Biermann, 1959

Stichvorlage | Inspiration

Kupferstich Die vier Jahreszeiten, N. Château,
4 Bll. „Printemps“

Literature:

Bayer, Adolf. Die Ansbacher Fayence-Fabriken: ein Beitrag zur Geschichte der deutschen Keramik 1710-1839; ein Handbuch für Sammler und Liebhaber. Klinkhardt & Biermann, 1959.

Bosch, Helmut: Deutsche Fayencekrüge des 17. und 18. Jahrhunderts. Sammlungen Hans Cohn, Los Angeles.

English and German Edition
Bosch, Helmut: Deutsche Fayencekrüge des 17. und 18. Jahrhunderts. Sammlungen Hans Cohn, Los Angeles. Siegfried Kramarsky, New York. Mainz: Von Zabern 1983.

Weitere Beiträge zum Thema Hausmaler

Fajans Urna med Lock, Lockvas , Stockholm, Sverige ca. 1758

18th Century Faience Rörstrand  Stockholm

Ein seltenes Paar Fayencen Vasen aus der Manufaktur in Rörstrand Stockholm Schweden mit Blumenbouquets in leuchtend bunten Muffelfarben bemalt in der Mitte des 18. Jahrhunderts.
Die schwedische Fayencemanufaktur Rörstrand unweit von Stockholm wurde 1726 gegründet. Diese Objekte stammen aus der Periode Anders Fahlström (1740 – 1760)
Die Malerei stammt vermutlich von Erik Wahlberg (Siehe Vergleichsstück Nationalmuseum Stockholm)

A rare pair of faience vases manufactured in Rörstrand Stockholm Sweden with bouquets of flowers painted in brightly coloured muffle fired colours in the middle of the 18th century.
The Swedish faience manufactory Rörstrand situated not far from Stockholm was founded in 1726. These objects are attributed to the Anders Fahlström period (1740 – 1760). The painting is probably by Erik Wahlberg (see reference object National Museum Stockholm)

Muffelmalerei in der Manufaktur Rörstrand

The period of objects with muffle fired colour decoration was quite short (ca. 1758 – 1765) due to the better performance and efficiancy of process of the Marieberg manufactory.
Rörstrand then returned to the expertise in decoration with high fired colours.

Um 1758 führte man in Rörstrand die Technik der Muffelfarbenmalerei ein. Zarte Blumenbouquets z. B auf Fondvasen (Kat.-Nr. 45 Weber-Schuback, I. (2007) – siehe unten) sind Beispiele für Rörstrands Dekore in Muffelfarben. Charakteristisch für die Manufaktur ist die Farbpalette aus hellem Manganviolett, Gelbgrün, Zitronengelb und stahlend blauem Kobalt.

Um 1765 stellte Rörstrand trotz guter Ergebnisse die Muffelfarbenmalerei wieder ein und kehrte zur Scharffeuerfarbenbemalung zurück. Der Grund war wohl die technisch perfekte Ware, die Marieberg durch die Güte der Glasur und Leuchtkraft seiner Muffelfarben zu produzieren im Stande war.

Fayence Rörstrand Muffelfarben Malerei Blumen um 1758
Rörstrand Fayence Muffelfarben Blumen Malerei um 1758 Malerei verm. Erik Wahlberg Periode Fahlström

Manufakturmarke – Stockholm

Rörstrand signierte die Fayence Objekte anfänglich mit „Stockholm“ abgekürzt oder als ganzes Wort. Seit der Gründung der Manufaktur Marieberg 1758 änderte sich dann zur klaren Zuordnung die Signatur in „Rörstrand meist abgekürzt „Rörst“
Quelle: Kanowski, Claudia, et al. Fayencen aus dem Ostseeraum: keramische Kostbarkeiten des Rokoko S. 162

National Museum Stockholm – Online Dokumentation der großen Sammlung von Keramik der Manufaktur Rörstrand

Referenzobjekt aus der Sammlung des Museums in Stockholm – Reference Objects of the National Museum Collection in Stockholm with this link

https://www.nationalmuseum.se/en/samlingarna

Referenzobjekt aus der Sammlung des Nationalmuseums Stockholm

Literature

Fayencen aus dem Ostseeraum Hirmer 2003

Kanowski, Claudia, et al. Fayencen aus dem Ostseeraum: keramische Kostbarkeiten des Rokoko;[Katalogbuch zur Ausstellung“ Fayencen aus dem Ostseeraum: Keramische Kostbarkeiten des Rokoko“: Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloß Gottorf, Schleswig, vom 1. Juni bis 31. August 2003… Museum of Foreign Art-Kadriorg Palace, Tallinn, vom 23. Mai bis 15. August 2004]. Hirmer, 2003.

Weber-Schuback, I. (2007). Fünf nordeuropäische Fayencenmanufakturen des 18. Jahrhunderts (Rörstrand, Marieberg, Eckernförde, Kiel, Stockelsdorf) zwischen vorindustriellen Produktionsbedingungen und künstlerischem Anspruch.

Weber-Schuback, I. (2007). Fünf nordeuropäische Fayencenmanufakturen des 18. Jahrhunderts

In dieser sehr lesenswerten Dissertation erhält man einen umfassenden Einblick zu diesen Themen:

In dieser Arbeit geht es um zwei schwedische (Rörstrand, Marieberg) und um drei norddeutsche Fayencemanufakturen (Eckernförde, Kiel, Stockelsdorf) des 18. Jahrhunderts, um ihre Gründung, Entwicklung, wirtschaftliche Situation, finanziellen Probleme, Konkurrenz-Problematik und vor allem um das künstlerische Niveau der Fayencen. Besondere Beachtung findet der begabte Fayencier Johann Buchwald, der in allen fünf Fabriken tätig war. Ferner werden neben einer positiven Bewertung der Leistungen von Werkleitern, Fayenciers, Malern und Poussierern, Einblicke in deren Lebensverhältnisse und in das soziale Gefüge gegeben. Es lässt sich konstatieren, dass, obwohl sie – betriebswirtschaftlich gesehen – kaum rentabel waren, sich jede einzelne Manufaktur stets um hohe Qualität bemühte und es verstand, dem keramischen Material „Fayence“ ein besonderes Gepräge sowie Schönheit und Eleganz zu verleihen.
Nachfolgend der link zur Dissertation und zum download:

https://macau.uni-kiel.de/receive/diss_mods_00004309

18th-century-works-of-art-Fayence-Hausmaler-Jug-with-Purpur-Flora

Fayence und Steinzeug Katalog 2022

Faience | Stoneware |Glass| Works of Art
16th, 17th and 18th century new catalogue 2021

Unser aktueller Katalog ausgewählter Objekte aus
4 Jahrhunderten Fayence | Steinzeug | Silber | Glas |Zinn

Peter Vogt Munich Fayence Stoneware catalogue 2022

Barocke Jagdliche Fayence aus Künersberg

Eine Auswahl jagdlicher Fayence Objekte in Muffelmalerei

Referenzobjekte Peter Vogt München

Manufakturmarke

Museum

Künersberger Fayencen im Stadtmuseum Memmingen

Jagdliche Fayence Künersberg

Künersberg Walzenkrug mit Jagddekor und Kegelbaumlandschaft
und Spruch:
Friederich soll doch Friederich bleiben. wann sich die Welt bestrebt. Diesen Helden zu vertreiben/zittern Feinde Trüncken Freund /Friederich lebt. Anno 1760
Memmingen. (1995). “ Muffelbrand und scharfes Feuer“: 250 Jahre Künersberger Fayencen. Konrad.
S.202 ff.

Literatur

Muffelbrand und scharfes Feuer: 250 Jahre Künersberger Fayencen Gebundene Ausgabe – 1995 Autor: Hans Wolfgang Bayer
Memmingen. (1995). “ Muffelbrand und scharfes Feuer“: 250 Jahre Künersberger Fayencen. Konrad.

Künersberger Fayence Objekte mit Jagddekor aus der Ausstellung 1995
Abb. 98 – 110

Crailsheimer Schreibzeug um 1770

Einladung zur Vorbesichtigung 2021

Entsprechend der Vorgaben zur Öffnung für den Handel – eine Vorbesichtigung der Objekte der Verkaufsausstellung 2021 nach vorheriger Anmeldung mit Termin möglich.
Bitte reservieren Sie telefonisch unter 089 294132

Vorbesichtigung Montag 8. März bis Freitag 12. März von 10:00 – 17:00

Invitation to view the upcoming sale March 13 2021

Viewing hours:
Monday 08/03 to Friday 12/03:
10:00 – 17:00
Thank you for making an appointment ahead of your visit

If you can’t make it, we will of course provide condition reports and additional images.

Peter Vogt
Antiquitäten im Rathaus
Marienplatz 8
Rathaus Rückseite – Eingang Landschaftstrasse
80331 München
Telefon 089/29 41 32

Baroque Crailsheim Flower Tankard

Baroque 18th century Crailsheim Tankards depicting colourful flowers |Barocke Fayence Blumenkrüge aus der Manufaktur in Crailsheim mit leuchtend bunten Muffelfarben bemalt um 1760

The polychrome flower painting with muffle fired colours was probably introduced by former Meissen porcelain painters in the Crailsheim Manufactory around the middle of the 18th century. The Crailsheim flower tankards stand out with their fine and expressive painting with very thin contours in black-brown.
Little is known about the Crailheim faience manufactory. It probably existed from ca. 1715 to ca. 1827.
Source: Sammlerglück Fayencen der Sammlung Amelung Mainfränkisches Museum Würzburg 2014 p. 117

Die Crailsheimer Blumenkrüge bestechen durch farblich fein abgestimmte und ausdrucksstarke Malerei mit sehr dünnen Konturen in Schwarzbraun.
Über die Crailheimer Fayence Manufaktur ist nur wenig bekannt. Sie bestand vermutlich von ca. 1715 bis etwa 1827. Walzenkrüge scheinen dort erstnach 1755 in größerem Umfang hergestellt worden zu sein. Der typisch polychrome Blumendekor in Aufglasurmalerei wurde in Crailsheim um Mitte des 18. Jh. eingeführt, vermutlich von ehemaligen Meissener Porzellanmalern.
Quelle: Sammlerglück Fayencen der Sammlung Amelung Mainfränkisches Museum Würzburg 2014 S. 117

Objekte aus der Periode Johann Georg Weiß sen. um 1770

Reference objects Literature:

Crailsheimer Schreibzeug um 1770

Baroque Faience Inkstand

18th century works of art Crailsheim faience inkstand ca. 1770 with hunting decor in highfired colours

18. Jh. Fayence 7.	Crailsheimer Schreibzeug um 1770

Hiding fox in the middle

18. Jh. Fayence 7. Crailsheimer Schreibzeug um 1770
Crailsheimer Schreibzeug um 1770, Jagdmotive in bunten Scharffeuerfarben, B. 14 cm | Crailsheim inkstand ca. 1770

The inkstand can be attributed to the period of Johann Georg Weiss the Elder. A Crailsheim Hunting Tankard of the same period is shown in following article:

Stadtmuseum Crailsheim

In 18th century the faience factury in Crailsheim (1720 – 1827) produced high-quality works of art, that are on display in important museums and are sought after by collectors. The Crailsheim Municipal Museum holds a collection of ca. 300 faiences that includes examples of almost the entire spectrum of Crailsheim production eras. The faiences are presented in the artistic, cultural and economic context of their time of origin.

Stadtmuseum Crailsheim Abteilung für Fayencen Schreibzeug um 1770
Craisheim  Municipal Museum
Stadtmuseum Crailsheim – Abteilung für Fayencen

Die Sammlung Friedrich Soennecken – Schreibgarnituren aus dem 16. bis 20. Jahrhundert

The Friedrich Soenecken collection of inkstands with 600 objects from 16th to 20th century.
Die Sammlung Soennecken ist die größte bekannte Kollektion mit über 600 Schreibzeugen. Diese bedeutende Sammlung wurde dem Museumsdorf Cloppenburg 1990 als Dauerleihgabe von der Stiftung Kunst und Kultur der Landessparkasse zu Oldenburg überlassen.

Die Sammlung Friedrich Soennecken – Schreibgarnituren aus dem 16. bis 20. Jahrhundert

Gmundner Zunftkrug 1842 datiert

mit der Darstellung der Hafner Werkstatt von Franz Föttinger

Weiss glasierte Fayence mit bunten Scharffeuerfarben bemalt. Die Schauseite zeigt den an der Töpferscheibe sitzenden Hafner Franz Föttinger bei der Produktion  in seiner Werkstatt.

SPRUCHBAND: „Dein Geschirr aus Erde gemacht wen viell zerbricht der Hafner lacht
„Your crockery made of clay delights the potter if you brake a lot“

Unter dem Spruchband Initialen F.F. umrahmt von der Datierung 1842. Henkel mit typischer eingerollter Schnecke und Malermonogramm K.P.

English synopsis:

The jug is a quite rare and an interesting testimony of the potter Franz Fötinger and shows the view into his workshop. He is sitting at his potter’s wheel, that is state of the art and was very modern at the time. (Modeled after the italien pottery wheels).

Outstanding and very rare to find is the clear depiction of the working method of a potter of the era. There is another known jug with a similar depiction dated 1788, Schlossmuseum Linz (Illustration in Hermann Langer Österreichische Fayencen Wien 1988 p. 178 Fig 129 Description. Illustration color plate p. 120 cat. No. 129). More detailed information and further illustration in: Heinzl, Brigitte: The pottery of Gmund in the art historical department of the Upper Austrian Museum. Yearbook of the Upper Austrian Museum Association vol. 135, 1 (1990) pp. 109-133.

Gmundner Zunftkrug 1842 datiert, Schauseite Werkstatt von Franz Föttinger H. 28 cm

Die Darstellung ist ein interessantes Zeitzeugnis und zeigt den Blick in die der Hafnerwerkstatt von Franz Föttinger. Eine durch zwei Fenster gut beleuchtete Arbeitsstätte. Der Töpfer sitzt an der für die damalige Zeit modernen fussbetriebenen Spindelscheibe (Erläuterungen hierzu von Alice Kaltenberger im Forum der Oberösterreichischen Geschichte) an welcher der Töpfer in deutscher Manier sitzt. (Rittlinks mit den Beinen beidseitig der Achsenhalterung). Er ist dabei eine Schüssel zu drehen, vermutlich einen Weitling als Gebrauchskeramik. 
Links unter der Bank auf dem Bretterboden befindet sich das Tonlager. Darüber eine bereits fertig gestellte Vase. In Griffweite der Schlickkasten mit darüber gelegtem Abschneidedraht mit Holzknebeln zum Ablösen des fertig gestellen Objekts von der Drehscheibe.
Rechts sind bereits fertige gedrehte Gefäße zu sehen, die durch das Fenster zum Trocknen heraus gereicht werden können. Davor weitere drei fertig gedrehte Schüsseln. Dahinter liegen bereits fertig vorbereitete Tonportionen für weitere Gefäße. Natürlich darf auch die Pfeife und der eigene Deckelkrug nicht fehlen. Diese beiden wichtigen Utensilien für den Genuß des Töpfers hängen griffbereit an der Wand.

Herausragend und sehr selten zu finden ist die klare Darstellung der Arbeitsweise eines Hafners der Epoche. Es ist noch ein Walzenkrug mit ähnlicher Darstellung bekannt, allerdings früher 1788 datiert und es ist die zu der damaligen Zeit gebräuchliche Sprossenscheibe abgebildet. Schlossmuseum Linz (Abbildung in Hermann Langer Österreichische Fayencen Wien 1988 S. 178 Abb 129 Beschreibung. Abbildung Farbtafel S. 120 Kat. Nr. 129). Vertiefende Informationen und weitere Abbildung in: Heinzl, Brigitte: Die Keramik Gmundens in der kunsthistorischen Abteilung des Oberösterreichischen Landesmuseums. Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines Bd. 135, 1 (1990) S. 109-133

Details der Ausstattung der Haufner Werkstatt von Franz Föttinger mit moderner Spindelscheibe
Gmundner Birnkrug 1842 datiert Werkstatt Franz Föttinger Zinndeckel Gravur FF
Zinndeckel mit Gravur „FF“

Weitere Vergleichsstücke in der Literatur:

Futher objects depicting workshops of potters are part of the König Collection of Gmunden Ceramics. As you can see here they are working at a potter’s wheel with the technique of earlier times.

In der Sammlung König befinden sich eine Godenschale aus dem späten 18. Jh. mit der zu der Zeit gebräuchlichen hochgelagerten Blockscheibe und eine Barbierschüssel aus dem frühen 18. Jh. mit der damals gebräuchlichen Sprossenscheibe.

König, F.H. Alt-Gmundner Fayencen. Eine Handwerkskunst aus dem Salzkammergut (17.-19. Jhd.) Linz 1964

S. 74 Abb 13 Barbierschüssel datiert 1735

S. 103 Abb. 27 Godenschale 1784 datiert

Another example of the depiction of the workshop of a renown potter can be found in the Museum Carolo Augustinum in Salzburg and it shows the workshop of Obermillner.

Carolo Augustinum Sammlung Salzburg Fayence Werkstatt Obermillner


Großer Birnkrug „Hafnerwerkstatt“
Salzburg, Werkstatt Obermillner 1680

Abgebildet in: Morath, W. (Ed.). (1999). Blaue Welle, grüne Flamme: Salzburger und Gmunder Fayencen, 17.-19. Jahrhundert, aus der Sammlung des Carolino Augusteum; Katalog zur Sonderausstellung im Carolino Augusteum.
Kat.Nr. 3 S. 23

Weitere Informationen zu den Gmundner Fayencen in der lesenswerten Diplomarbeit von Katharina Marchgraber mit dem Titel
„Frühe Gmundner Fayence bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts“

Abstract: Etwa ab 1700 beginnt in Gmunden die Herstellung künstlerisch verarbeiteter und bemalter Fayence, deren einheitliches Bild sich nach und nach einen klaren Wiedererkennungswert schafft. Dieses Erscheinungsbild bleibt seinen Prinzipien bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts treu, ändert sich aber schlagartig aufgrund der wirtschaftlichen und geschmacklichen Veränderungen des Historismus. Neben einer übersichtlichen Zusammenfassung aller bisher veröffentlichten Unterlagen zum Thema, behandelt diese Arbeit die Prinzipien der Gmundner Hafnertradition. Außerdem wird durch einen fotografischen Querschnitt die Einteilung in Farbperioden erklärt und die Entwicklung der Gefäß- und Dekorformen beschrieben. Weiters wird die Vorbildfunktion diverser europäischer Werkstätten geklärt, um infolge die Gmundner Fayence in die internationale Keramikgeschichte einbetten zu können.

Download: http://othes.univie.ac.at/1098/1/2008-09-15_0002754.pdf